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Scharfe Gegensätze

Ulrike Quade zeichnet in ihrem neuen Stück ein ebenso verstörendes wie eindrückliches Gesellschaftsbild – durch den Kontrast von tiefen Gefühlen und oberflächlicher Vergnügungssucht.

Willkommen in der grellen Welt des Vergnügens! Peitschende Diskobeats, überlebensgroße Mangapuppen, eine Domina, die auf zwei Bulldoggen reitet, ein Lilliputaner, ein Stripper mit Hundekopf: Kasimir und Karoline nehmen den Zuschauer mit auf eine wilde Achterbahnfahrt, einen heißen Diskobesuch, einen Tag auf dem Vergnügungsplatz. Doch Kasimir ist nicht auf schnellen Spaß aus, hat er doch gerade durch die Wirtschaftskrise seinen Job verloren. Und Privates und Berufliches lassen sich doch nicht so leicht trennen. Seine Arbeitslosigkeit führt zu mangelnder Anerkennung in der Beziehung. Karoline macht sich lieber mit einem anderen davon. Als sie es sich dann doch anders überlegt und von der Vergnügungswelt in die Realität zurückkehren will, ist es zu spät.
Es ist ein Stück voll stiller Trauer, zerbrochener Träume und unerfüllter Sehnsüchte, das Ödön von Horváth über die Weltwirtschaftskrise 1929 geschrieben hat. Die niederländische Regisseurin Ulrike Quade stellt diese Hoffnungslosigkeit der grellen Vergnügungswelt gegenüber mit abstrakten Kunstfiguren und in die Moderne versetzt. Am eindrücklichsten ist jedoch der Kontrast zwischen der oberflächlichen Disko-Atmosphäre und Horvaths gefühlvollen Originalzitaten. Radikale Gegensätze, die verstören und berühren. (tbr)

Foto © Simon Hallström


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