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Von Irrungen und Wirrungen

Regisseur Christophe Gayral verlegt Domenico Cimarosas wohl bekannteste Oper Il Matrimonio Segreto in die 50er Jahre. Ein Hochgenuss!

Es mag erstaunen, aber Domenico Cimarosa war (seinerzeit) noch berühmter als Mozart. Er widmete sein ganzes Leben dem Komponieren von Opern – insgesamt 70 Stück – sodass er heute zu den unumstrittenen Meistern der italienischen Oper der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zählt. Mit Il Matrimonio Segreto, einem Meisterwerk der Opera buffa, wurde ihm ein einmaliges Privileg zuteil: Kaiser Leopold II forderte bei der Erstaufführung eine Zugabe des kompletten Stücks. Carolina und Paolino haben heimlich geheiratet, wie der Titel (Die heimliche Ehe) andeutet. Seit zwei Monaten sind sie ein Paar, können aber ihre Liebe nicht offen zeigen, was in ihrem Umfeld zu Irritationen führt: bei Carolinas Vater Geronimo, bei ihrer Tante Fidalma, und bei Graf Robinson, der sich in Carolina verliebt. Christophe Gayral verlegt den Schauplatz der Handlung in das Frankreich der 50er und 60er, in die Schlüsseljahre der weiblichen Emanzipation, zu deren Vorreiterin Carolina seltsamerweise wird – weniger, um die Thematik des Stücks dem heutigen Kontext anzupassen, als vielmehr um seine erstaunliche Aktualität aufzudecken. Seine Vorlagen sucht Gayral, der vom Theater kommt, in einer verwandten Disziplin: dem Film. So rückt Cimarosa in die Nähe von Jacques Tati und Jacques Demy, in einer Kulisse, die die burleske und expressive Dimension unterstreicht, die Generationen von Zuschauern begeistert hat, darunter den Maler Delacroix und den Schriftsteller Stendhal. (E.A.)

Foto © Alain Kaiser


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