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Intrigenspiel

Geiziger, machtbesessener Alter sucht Frau, wenn möglich jung: mit dieser Opera buffa liefert Donizetti beißende Unterhaltung nach der Tradition der commedia dell’arte.

Der stattliche Mann im bordeauxroten Samtsakko ist nicht mehr der Jüngste. Grauhaarig ist er, faltig und wirkt irgendwie resigniert. Doch wenn er singt, dann ist nichts mehr zu spüren von nachlassenden Kräften, dann nimmt er es mit jedem auf – auch mit seinem Neffen. Mit diesem will er es ohnehin aufnehmen: Er, Don Pasquale (Andrew Murphy) will nämlich verhindern, dass Neffe Ernesto (Noel Hernandez) das Mädchen Norina (Deborah Leonetti) heiratet. Denn sie ist arm und hat es nach Überzeugung des wohlhabenden und kinderlosen Geizkragens nur auf das Geld abgesehen, das Ernesto einst von ihm erben wird. Doch nun will der reiche Junggeselle lieber selbst heiraten und eine Familie gründen – mit eigenen Erben. Es beginnt ein verworrenes Intrigen-, Macht- und Verwechselspiel mit viel Klamauk und Spektakel.
Dabei ist, sagt Regisseur Massimo Rocchi, Don Pasquales Geschichte eine ganz simple: Ein alter Mann sucht eine Frau. Doch die soll er nach dem Willen von Donizetti, dem Komponisten der 1843 in Paris uraufgeführten Opera Buffa, nicht bekommen. Zumindest soll sie nicht mehr jung sein, denn solche Verbindungen waren nach  damaliger Auffassung ohnehin zum Scheitern verurteilt: Donizettis Libretto greift den altbekannten Stoff des ungleichen Paares auf, seit der Renaissance ein Topos in Kunst und Literatur und immer mit unglücklichem oder lächerlichem Ausgang. Lächerlich ist Don Pasquale indessen nicht. Nur ein wenig tragikomisch in seiner Besessenheit, im Leben alles neu beginnen zu können. (ewe)

Photo © Tanja Dorendorf

Die Basel Sinfonietta spielt unter der Leitung von Giuliano Betta


Etiketten:Donizetti - Oper

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