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Beklemmend

Choreograf Davide Bombana nutzt Kafkas Roman als Gerüst, um die Angst vor Überwachung in einer technologisierten Welt zu thematisieren.

Eine dunkle Bühne. Eine einsame Gestalt, die gehetzt nach einem Ausweg sucht. Zwei Wärter, die jede Hoffnung auf Entkommen zunichte machen. Es sind albtraumhafte Szenen, die sich hier auf der Bühne des Staatstheaters Karlruhe zutragen. Die Basis bildet Franz Kafkas Roman Der Prozess, die Geschichte des Josef K., der verhaftet wird, ohne zu wissen warum.
Doch Choreograf Davide Bombana, der mit seinen bisherigen literarischen Handlungsballetten bereits für großes Aufsehen gesorgt hat, wählt diesmal eine andere Form. Anstatt einer klassischen Dramaturgie, nutzt er die Romanszenen lediglich als Gerüst, das den Rahmen für sein Thema gibt: Das Gefühl verloren zu sein in einer modernen technologischen Welt. Während die Politik über Vorratsdatenspeicherung diskutiert, bringt Bombana die Angst davor auf die Bühne. Die Angst davor über das Mobiltelefon, über das Internet, durch Überwachungskameras ständig kontrolliert zu werden.
Die technisierte Welt spiegelt das Bühnenbild wider: Mal erscheinen im Hintergrund Schaltkreise, mal senkrechte Linien, mit denen man Datenströme oder Kabel assoziieren kann. Im krassen Gegensatz zu dieser klaren, metrischen Welt stehen die unruhige Musik von Walter Fähndrich und die atmosphärischen, düsteren Töne von Einojuhani Rautavaara und Pēteris Vasks.
Das Ergebnis ist eine beklemmende Atmosphäre, die sich mehr an die Gefühlswelt als an den Verstand der Zuschauer richtet. Der Mailänder Choreograf vermeidet es so, Kafkas Roman eine eindeutige Interpretation aufzudrücken, was ihm auch nicht gerecht werden würde. (T.B.)

Foto: Ulrich Beuttenmuller


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