Glück oder Ehrlichkeit?
Amélie Niermeyer zeigt mit Die Wildente eine moderne Inszenierung des Dramas von Henrik Ibsen. Eine markante Besetzung und ein comicartiges Bühnenbild skizzieren den Zerfall einer Lebenslüge.
Die Geschichte erinnert an eine Soap Opera. „Nehmen Sie einem Durchschnittsmenschen die Lebenslüge, so nehmen Sie ihm sein Glück.“, behauptet Doktor Relling in Die Wildente. Der Rückkehrer Gregers ist da ganz anderer Meinung. Er will die Familie seines alten Freundes Hjalmar aus ihrer Lügenwelt retten und bringt damit das heimelige Glück von Vater, Mutter und Tochter zu Fall.
Die Inszenierung von Amélie Niermeyer begeistert durch scharf gezeichnete Charaktere. Dessen wohldosierte Überzeichnung nehmen dem Drama seine norwegische Schwere und sorgen für komödiantische Augenblicke. Elisa Plüss als Tochter Hedvig, die sich an die Wildente wie an ein letztes Rettungsboot klammert, tut sich besonders hervor. Sie ist außerdem Teil des Bühnenbilds: Mit einem Overhead-Projektor bewaffnet, zeichnet sie Möbel und Requisiten, die wie selbstverständlich in das Spiel mit einbezogen werden und dem Begriff „Scheinwelt“ auf eine bildliche Ebene verhelfen. Auf diesem Aspekt bauen auch die comicartigen Hintergründe der Cartoon-Künstlerin Franziska Nyffelers auf, die sich wunderbar in die Absurdität des Stückes einfügen. (S.O.)
Foto © Judith Schlosser
Weitere Informationen
- Michael Baas über die Basler Inszenierung in der Badischen Zeitung
- Artikel von Alfred Schlienger zur Premiere in der NZZ































