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Bilanz der 48. Internationalen Händelfestspiele 2026

sarahk Von sarahk
13 März 2026
in Fokus I Blick zurück
Bilanz der 48. Internationalen Händelfestspiele 2026

Alexander Chance, Thomas Walker, Statisterie des Badischen Staatstheaters, Freiburger Barockorchester - Foto: Felix Grünschloß

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Nach einem mit Programm prall gefüllten Wochenende fanden die 48. Internationalen Händel-Festspiele 2026 am 8. März mit der zweiten Aufführung von Händels Pastoraloper Atalanta ein glanzvolles Ende.  

Im Festspielzeitraum vom 20. Februar bis zum 8. März 2026 konnte ein internationales Publikum die Musik Händels und nicht nur seiner Zeitgenossen in der Interpretation von renommierten Barockspezialist:innen, Stars und aufstrebenden jungen Künstler:innen genießen. Insgesamt wurden 28 Veranstaltungen von über 15.000 Menschen besucht. Dabei konnten allein die 14 Opernaufführungen und Konzerte im Großen Haus des Staatstheaters eine Auslastung von über 90% verbuchen. 

Die Festspielleitung, bestehend aus Operndirektor Christoph von Bernuth als Künstlerischem Leiter, der Leitenden Opern- und Konzert­dramaturgin Stephanie Twiehaus als Kuratorin für das Konzert- und Rahmenprogramm sowie Orchesterdirektor Oliver Kersken, zieht eine äußerst positive Bilanz: „Wir sind sehr glücklich, dass in unserem zweiten Jahr als Festspielleitung wieder viele großartige Künstler:innen unserer Einladung nach Karlsruhe gefolgt sind und dabei auch wagten, mit uns teils neue Wege einzuschlagen. Und wir freuen uns sehr darüber, dass vor allem unser Kernangebot in Oper und Konzert zu einer so hohen Auslastung führte. Seitens des Publikums erfuhren wir nicht nur in künstlerischer Hinsicht begeistertes Feedback, sondern die Festspiele sorgten auch für anregenden Gesprächsstoff, insbesondere dadurch, dass wir im Bereich der Oper zeitgemäße Regiemöglichkeiten ausloteten. Neue Perspektiven zu eröffnen sehen wir als wichtige Aufgabe eines Festivals.“

Eröffnet wurden die Händel-Festspiele 2026 durch Händels 1724 uraufgeführte Oper Tamerlano mit dem renommierten Freiburger Barockorchester unter Leitung von René Jacobs. In fünf Vorstellungen und einer öffentlichen Probe verfolgten 4.456 Zuschauer:innen  die von Kobie van Rensburg durch Chroma Keying vorgenommene Verschmelzung der Bühnenaktion mit einer digital generierten Filmwelt.

Die Wiederaufnahme des fantasievollen Barockspektakels Rinaldo fand auch im zweiten Jahr enormen Zuspruch und konnte insgesamt 2.545 Besucher:innen in den drei Vorstellungen verbuchen.

In der Christuskirche bejubelten insgesamt 883 Menschen die beiden konzertanten Aufführungen der erstmals in Karlsruhe und mit einer jungen Starbesetzung gespielten Pastoraloper Atalanta unter der ausdrucksstarken musikalischen Leitung von Lars Ulrik Mortensen.

Nicht nur in Rinaldo, Atalanta und kammermusikalisch wurden die Deutschen Händel-Solisten als festspieleigenes Spezialensemble gefeiert: Im Festkonzert unter Andrea Marcon zündeten sie ein orchestrales Barockfeuerwerk. Und im Galakonzert unter Attilio Cremonesi zeigten sie zudem, wie sehr auch Werke des 20. Jahrhunderts zu ihrer Expertise gehören. Darin war mit Sopranist Maayan Licht ein Star zu Gast, der das Publikum in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal zu Begeisterungsstürmen hinriss. 

Nach dem 40-jährigen Jubiläum der Deutschen Händel-Solisten im vergangenen Jahr konnte in diesem Jahr die Internationale Händel-Akademie ihr 40-jähriges Bestehen feiern. Aus diesem Grund kam ein ganz beson­deres Projekt zur Aufführung: das von den Beteiligten neu entwickelte Opern-Pasticcio Bajazet e Tamerlano, mit sechs Nachwuchssänger:innen und einem jungen Projektorchester unter der Leitung von Jörg Halubek.

Die Händel-Festspiele 2026 standen unter einem Motto aus der zentralen Festspiel-Oper Tamerlano, das um Wege der Befreiung aus Diktatur und Unterdrückung kreist: „Standhaftigkeit und Verachtung sind Waffen gegen die Tyrannei“. Auf unterschiedliche Weise inspirierte es viele Konzerte und weitere Programmpunkte und zog sich als roter Faden durch die knapp zweieinhalb Festspielwochen: Sei es in verschiedenen Konzertprogrammierungen, in einer thematischen Lesung mit Musik, einem Orgelkonzert mit Werken ukrainischer Komponisten oder auch durch die Beteiligung an The Cage – einer Initiative mehrerer Karlsruher Institutionen rund um das in der Stadtkirche errichtete Kunstwerk von Fahar al-Salih, mit deren Benefizerlös u. a. die Karlsruher Wochen gegen Rassismus ermöglicht werden.

„Wir erhielten viel positive Resonanz dafür, dass es gelang, die Festspiele so organisch von unserem Motto durchdringen zu lassen, wodurch indirekt auch Händel selbst einen wichtigen Beitrag zu einer sehr aktuellen Thematik leisten konnte“, freut sich das Festspielteam.

Darüber hinaus entwickelten sich die Festspiele zu einem wahren Fest der Countertenorstimmen – und das, obwohl der ursprünglich geplante zweite Farinelli-Wettbewerb für Countertenöre aus Mangel an qualifizierten Bewerbungen leider abgesagt werden musste. Die anstelle des Finales neu programmierte Farinelli-Gala bot jedoch vor nahezu ausverkauftem Haus mehr als nur einen Ersatz: Sie versammelte erstmals fünf Countertenöre – darunter nicht nur die Gewinner des letztjährigen Wettbewerbs wie etwa Dennis Orellana aus Honduras (der auch in Atalanta zu hören war), sondern in seinem Karlsruhe-Debüt auch den weltweit gefeierten brasilianischen Sopranisten Bruno de Sà.

Für Mitglieder der drei deutschen Händel-Gesellschaften und Händel-Fans aus aller Welt wurde der Stand der Händel-Gesellschaft Karlsruhe erneut zum beliebten Treffpunkt. Es konnten 25 neue Mitglieder gewonnen werden.Beim Preisträgerkonzert der Händel-Gesellschaft begeisterten erneut junge Künstler:innen zwischen 13 und 20 Jahren. Erstmals ging ein 1. Preis an eine französische Teilnehmerin, zudem wurde in diesem Rahmen erstmals der Klaus-Froboese-Jugendpreis der Internationalen Händel-Gesellschaft Halle (Saale) verliehen. In bewährter Manier fand daneben der Ökumenische Festgottesdienst in Kooperation mit Händel-Gesellschaft und Evangelischer Stadtkirche großen Zuspruch. Am Herzen liegt der Händel-Gesellschaft und ihrem Kuratorium von jeher die Nachwuchsförderung. Deshalb übernahmen die Händel-Gesellschaft und ihr Kuratorium nicht nur die Preisgelder desInternationalen Jugendwettbewerbs, sondern unterstützten beispielsweise das Opernpasticcio-Projekt der Internationalen Händel-Akademie Bajazet e Tamerlano; außerdem wurden die Patenschaften für weitere Veranstaltungen übernommen.

Die 49. Internationalen Händel-Festspiele Karlsruhe finden vom 18. Februar bis 7. März 2027 statt. Auf dem Opernprogramm stehen zwei Karlsruher Erstaufführungen: Eröffnet wird mit Faramondo unter der Musikalischen Leitung von Attilio Cremonesi, in der Regie von Katharina Kastening und der Ausstattung von Tilo Steffens. Die zweite Oper Floridante ist eine Koproduktion mit dem Bayreuth Baroque Opera Festival, wo sie bereits im September 2026 zur Premiere kommen wird: inszeniert von Max Emanuel Cencic, der auch in der Titelrolle auf der Bühne steht, an seiner Seite Starsopranist Bruno de Sá. Die diesjährige Festspieloper Tamerlano wird nicht wieder aufgenommen.

Der Vorverkauf für ausgewählte Vorstellungen der Händel-Festspiele 2027 ist bereits gestartet.

staatstheater.karlsruhe.de

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