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Love me Tander

Die deutsch-afghanische Sängerin Simin Tander lässt ihrer Stimme freien Lauf und macht Avantgarde-Jazz, der nach Unendlichkeit strebt. 

Stimmexperimente hatten im Jazz schon immer einen besonderen Stellenwert. Von Ella Fitzgerald bis zu Phil Minton: Die Stimme ist sich oft selbst genug, vor allem, wenn sie mithilfe des ganzen Körpers ihre Verbindung zur Erde offenbart. Hier sei nur an die gelungenen Versuche im avantgardistischen Bereich erinnert, beispielsweise einer Meredith Monk.  
Auf ähnliche Weise, wenngleich noch jazziger, ist auch Simin Tander auf der Suche nach dieser Verbindung zur Erde: den ausgedehnten Weiten ihres Heimatlandes Afghanistan. Von Anfang an, seit ihrem Debütalbum Wagma (das vielleicht eine Anspielung auf die in Deutschland sehr beliebte französische Band Magma ist) hat die faszinierende Künstlerin, die ihre Platten aktuell beim Freiburger Label Jazzhaus Records veröffentlicht, ihre eigene Sprache geschaffen: Ihre Stimme, säuselnd und voller Leichtigkeit, weitet sich und macht der Menschheit gleichsam eine Liebeserklärung – mit dem melancholischen Unterton einer verlassenen Geliebten. 
In der Coverversion von Jacques Brels La Chanson des Vieux Amants geht es um die Sichtweise einer jungen Frau, die in Bezug auf die Vergänglichkeit genau wie manch romantischer Dichter eine angenehme Distanz an den Tag legt. Neben Französisch singt Simin Tander auch auf Englisch und Paschtu (eine der zwei afghanischen Amtssprachen) und ergänzt diesen poetischen Ansatz durch eine perfekte Improvisationsfähigkeit. Zusammen mit ihren Mitmusikern, einem Pianisten, einem Bassisten und einem Schlagzeuger, erkundet sie unbekannte musikalische Gebiete und sorgt für unvergessliche emotionale Momente. (E.A.)


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