Andere Wahrnehmung
Die Theatertruppe Théâtre du Radeau wurde 1977 gegründet und hat ihren Sitz in Le Mans. Der Regisseur François Tanguy hat nun mit Passim ein neues Opus geschaffen, das ebenso formschön wie aussagekräftig ist.
Wenn man einen Artikel über das Théâtre du Radeau schreibt, muss man auf die Besonderheit des ganz speziellen Universums dieser Truppe hinweisen und auch erwähnen, dass diese sich nicht auf den gängigen Wegen der Erkenntnis begreifen lässt. Die Stücke folgen keiner linearen Erzählweise, sondern stützen sich auf Spannungsmomente und eine besondere Wahrnehmung und fügen sich auf diese Weise seit über 30 Jahren in ein großes Ganzes ein.
Diese Charakterisierung, die erst einmal schwer nachzuvollziehen sein mag und für stilistische Koketterie gehalten werden könnte, erschließt sich, sobald man Passim gesehen hat. In allen Produktionen des Théâtre du Radeau wird dasselbe Vokabular verwendet; Lichteffekte, Geräusche, Textfragmente aus unterschiedlichen Quellen sowie Schauspieler, Szenenbilder und Kulissen kreuzen sich und fügen sich neu zusammen. Wenn auch die Kreationen allesamt geduldig unter der Oberfläche am gleichen Werk arbeiten, so schafft sich doch jedes Opus seine eigenen Abgründe. In Passim wird das Theater oder werden zumindest die Situationen des Theaters präsenter. Auf Bilder, Kulissen und Körper voller Spannung folgen deshalb Augenblicke des Stillstands, in denen die Figuren in Gewändern aus vergangenen Zeiten und lustige oder fratzenhafte Masken tragend, sich spielerisch bewegen. In dieser Art und Weise des Theaterspiels weichen Groteske und Exzess und lassen der Melancholie und den schönen Augenblicken des Innehaltens den Vortritt.
Foto: Brigitte Enguérand































