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Billiger und billiger

Helena Waldmann bringt die harten Arbeitsbedingungen südasiatischer Näherinnen auf die Bühne – und zeigt, der die Immer-Billiger-Maxime nicht nur in weit entfernten Ländern zu finden ist.

Sie arbeiten 12 bis 16 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Sozialleistungen, Sicherheit am Arbeitsplatz, Überstundenzuschlag – all das sind Fremdwörter für sie. Die harten Lebensbedingungen der Näherinnen in Bangladesh hat Helena Waldmann zum Thema ihrer neuen Choreografie gemacht. Dafür ist sie in die Fabriken in Südasien gereist und hat Arbeiterinnen kennengelernt, die am Existenzminimum an der Grenze der Belastbarkeit arbeiten – nur damit sich die Menschen in den Industrieländern ein T-Shirt für immer weniger Geld kaufen können.
Es ist kein neues Thema, das Waldmann da aufgetrieben hat. So eindrücklich wie sie hat es jedoch bisher kaum einer aufbereitet. Mit einem Ensemble aus zwölf Kathak-Tänzerinnen und -Tänzern (klassischer Tanz aus Nordindien) versetzt sie das Publikum direkt in eine der Fabriken: Die nackten Füße klatschen stakkatoartig wie das Rattern der Nähmaschinen auf den Boden. In fein säuberlichen Reihen stellen sich die Tänzer auf – keiner darf aus der Reihe tanzen. „Takidetakide“ stimmen sie einen Sprechgesang an, immer schneller, immer gehetzter.
Wirklich ungemütlich wird es aber erst, wenn einem aufgeht, dass es hier nicht nur um Textilproduktion geht, sondern die Immer-schneller-immer-billiger-Maxime auch auf die Kunst und den Tanz selbst angewendet wird, denen immer weniger Geld zur Verfügung steht und somit betrifft die Maxime schließlich alles menschliche Handeln. (tbr)

Photo © Georgia Foulkes-Taylor


Etiketten:Kathak

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