König von Schottland will er, muss er werden. Koste es, was es wolle. Dafür geht Macbeth über Leichen. Stets an seiner Seite, fordernd, pushend und ihn unterstützend auf dem Weg nach oben: Macbeths Ehefrau, die Lady. Es ist ein wahrhaft unheimliches Liebespaar, das in Shakespeares dunkler Tragödie mit mörderischen Kräften nach der Krone greift, um dann von ebendiesen Kräften selbst wieder eingeholt zu werden. Doch während bei Shakespeare den Protagonisten noch das Gewissen quält und wir tief in sein Inneres und seine Imaginationen blicken können, entdeckt Heiner Müllers Bearbeitung aus dem Jahr 1972 in der Geschichte eine unbarmherzige Mechanik. Mord folgt auf Mord, Gewalt auf Gewalt. Und nichts als Not und Tod erwartet diejenigen, die für die Oberen Kanonenfutter sind. Das dystopische Bild einer Welt, die sich allein um Kampf und Macht und Überleben dreht, ohne Hoffnung oder Utopie.
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