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Herzallerliebstes Vergnügen

In der sommerlichen Hitze am Wolfgangsee ist kein Herz davor gewahrt, dahin zu schmelzen. Doch ist diese Ferienidylle wirklich so zauberhaft naiv?

 

Im weißen Rössl am Wolfgangsee dort steht das Glück vor der Tür, (…), tritt ein und vergiss deine Sorgen (…). So herzlich werden die Touristen mit Sonnencreme, Badehauben und schnulzigen Liebesromanen bepackt, am Wolfgangsee begrüßt. In ihren Augen funkelt die Lust, im Wasser zu planschen, Limonade zu schlürfen und auf frisch gebügelten, karierten Tischdecken am Abend einen Braten zu genießen. Hinzu kommt ein kecker Kellner namens Leopold, die Wirtshauswirtin, der Kaiser (jawohl meine Damen und Herren), hoffnungsvolle Herzen, pausbackige Mädchen und stramme Burschen. Doch ist in dieser Postkartenwelt alles Glanz und Gloria?
1930 in Berlin uraufgeführt, hat dieses Singspiel seine Berühmtheit vor allem durch die Verfilmung mit Peter Alexander in den 60er Jahren erlangt. Seitdem ist es ein weltweiter Kassenschlager, ob nun auf deutschen Bühnen, in London oder New York.
In der vom Staatstheater Mainz präsentierten Inszenierung werden Massentourismus, die 50er Jahre und diese ganze poppige Konfetti-Vergissmeinnicht-Welt allerdings buchstäblich aufs Korn genommen. Hinter den bunt angemalten Bildern dieses Ferienbuches brodelt es, verstecken sich dunkle Machenschaften, Verhöre, Verdrängungen, der Kalte Krieg. Ein russisches Ballett tanzt den Schwanensee, Showgirls frohlocken über das polierte Parkett, doch beim näheren Hinsehen wird das zuckrige Rosa zu einem kalten Grau. Was dies nun aber mit James Bond und Sissi zu tun hat, soll hier nicht verraten werden. Also Haare flechten, Tracht aufbügeln und auf zum Wolfgangsee, dort wo das Glück beherzt auf jedermann wartet. (J.L.)

Mit

Musikalische Leitung : Paul-Johannes Kirschner
Inszenierung: Peter Jordan und Leonhard

Choreografie: Harald Kratochwil
Josepha Vogelhuber: Anika Baumann
Leopold Brandmeyer: Rüdiger Hauffe
Wilhelm Giesecke: Ks. Jürgen Rust
Ottilie: Anne Gütter
Dr. Erich Siedler: Alexander Spermann
Sigismund Sülzheimer: Daniel Friedl
Prof. Dr. Hinzelmann: Erik Raskopf
Klärchen: Alexandra Samouilidou
Der Kaiser: Ks. Hans-Otto-Weiss
Piccolo: Julian von Hansemann
Zenzi: Miriam Gadatsch 

 

Foto © Martina Pipprich


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