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Kurze Kleider und Klapperstörche

Der französische Theatermacher Armel Roussel beschäftigt sich mit Wedekinds Skandalwerk Frühlings Erwachen. Ein großartiger Text, der uns rät, jungen Menschen zuzuhören, ihnen Platz zu machen und gleichzeitig ihren Lebensdurst zu probieren. 

 

Natürlich, jeder deutsche Leser kennt Wedekinds Frühlings Erwachen; hat es in der Schule gelesen und ist dabei geniert rot geworden, denn nach Faust und Hamlet war es doch außergewöhnlich ein Stück zu lesen, welches so offen über Sexualität, Abtreibung, Suizid, Angst vor dem Erwachsensein sprach. Nicht auszudenken, wie dies 1981 auf den Theaterbühnen gewirkt haben muss!

Die Charaktere von Wendla, Moritz und Melchior allerdings sind zeitlos. Auch heute können wir uns sehr gut mit ihnen identifizieren und dies, obwohl die angesprochenen Themen mittlerweile in Serien vermarktet werden. Ihre zittrigen Herzen, die verbohrte Moral sprechen uns an und machen aus diesem Text einen Klassiker; ein Zeugnis der Menschheit.

Der französische Theatermacher Armel Roussel hat Wedekinds Werk schon seit Jahren auf seinem Nachttisch liegen; egal wieviel Zeit verstrich, sein Blick blieb auf diesem Text liegen. Nun bringt er es auf die Bühne des Théâtre National Wallonie Bruxelles. Wir befinden uns auf einem ländlichen Platz; die Kirchenglocken haben zum Dorffest geschlagen. Zu schmissiger Musik wird geschunkelt, währenddessen erste Küsse hinter dem Garagentor ausgetauscht werden (oh, da werden Erinnerungen wach…). Die Geschichte nimmt ihren Lauf und stürzt nach und nach jugendliche Gelüste, idealistische Träume, kindliche Fantasien in den Abgrund. Doch was ist, wenn wir, die Erwachsenen, durch unsere Borniertheit junge Menschen und eine neue Sicht auf das Sein in einen dunklen Ozean stürzen? 

 

Armel Roussel, Inszenierung und Bühne

Mit

Nadège Cathelineau, Romain Cinter, Thomas Dubot, Julien Frege, Amandine Laval, Nicolas Luçon, Florence Minder, Julie Rens, Sophie Sénécaut, Lode Thiery, Sacha Vovk, Judith Williquet, Uiko Watanabe

Produktion

(e)utopia3 – Création Studio Théâre National Wallonie-Bruxelles

 

Foto: Hubert Amiel

  • Gespräch mit dem künstlerischen Team nach der Vorstellung am 2.05


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