Verlangen als treibende Kraft
Auf dem Programm der Straßburger Philharmoniker stehen Werke von Jean Sibelius, Philip Glass, Leoš Janáček und Modeste Moussorgski: vier unterschiedliche Ansätze, das Verlangen auszudrücken und den Augenblick festzuhalten.
Nie ist Philip Glass enervierender, als wenn er seine eigenen Motive auf die Spitze treibt – so wie Ende der 70er Jahre nach dem Erfolg seiner Oper Einstein on the Beach. Dessen scheint er sich in den Schlüsseljahren 1985-1987 selbst bewusst geworden zu sein, so als wolle er etwas leisere Töne anschlagen und nach einer reineren Form streben. Bereits das 1981 komponierte Werk Glassworks enthält gemäßigtere Stücke, deren Schlichtheit sich von seinen sonstigen Bestrebungen abhebt, immer noch effektvoller zu sein. Schon dort hatte er versucht, alles Überflüssige wegzulassen, um schließlich zu den Gefühlen durchzustoßen.
Sein Violinkonzert ist sein erstes sinfonisches Werk und kennzeichnend für diese Entwicklung. Natürlich war das für ihn auch die Gelegenheit, seine eigenen Motive in den Rahmen der traditionellen Struktur eines Concertos einzufügen, doch vor allem versetzte es ihn in die Lage, einen anderen, schwermütigen Teil seiner selbst zu offenbaren, ohne unbedingt ins Pathos zu verfallen. Im Gegensatz zu anderen bewahrt das Werk auch heute noch seine emotionale Ladung. Es ist im Rahmen seiner Zeit zu sehen, wie die Sinfonietta von Leoš Janáček, über die Milan Kundera sagte, sie sei das Ergebnis einer Suche: der nach der Wahrheit des Augenblicks. Mit En Saga von Sibelius und Eine Nacht auf dem kahlen Berge von Moussorgski steht das Programm ganz im Zeichen des Verlangens als Impuls, der jedem schöpferischen Akt zugrunde liegt. (E.A.)
Foto: Philip Glass
Weitere Informationen
- Zum Anhören auf youtube: En Saga, op. 9 von Jean Sibelius
- [Video] Modeste Moussorgski, Eine Nacht auf dem kahlen Berge in Fantasia von Walt Disney
- [Video] Interview mit Philip Glass auf BBC (EN)
- Interview mit Philip Glass auf interviewmagazine.com (EN)































