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„Man muss sich das vorstellen wie in einem Filmschnitt, zum Beispiel wie in Pulp Fiction, wo mehrere Geschichten gleichzeitig erzählt werden.“: Boris Godunow von Mussorgski auf der Bühne der Staatsoper Stuttgart.

 

Der Regisseur Paul-Georg Dittrich entwirft Boris Godunow als düstere Zukunftsvision eines neozaristischen Reichs mit maßgeschneidertem Geschichtsbild aber ohne Gedächtnis. In der kollektiven Amnesie flackern die Erinnerungen aus Secondhand-Zeit immer wieder auf. Wie Untote fahren die vor langer Zeit geträumten Träume und erlebten Enttäuschungen in die Menschen der Zukunft und geben ihnen ein Gefühl für ihr Gestern zurück.

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Das Vergessen mag eine Gnade sein, aber wer sich nicht erinnern kann, ist verloren. Und so erinnert Modest Mussorgski an einen Krisenmoment der russischen Geschichte, ihren glücklosen Protagonisten Boris und das dem Zaren zujubelnde, ihn verfluchende, meist nur ausharrende Volk. Mussorgski zeigt auch, wie Geschichte geschrieben wird:

Ein Mönch verfasst eine Chronik und hält dort die Ermordung eines Thronerben in Godunows Auftrag fest. Ganz gleich, ob der Kindermord Fakt ist oder Legende: Den Zaren bringen die Gespenster der Vergangenheit zu Fall. Wer schreibt Geschichte und in wessen Interesse? Und in welchem Verhältnis steht sie zur Wahrheit? Ist Erinnerung Fiktion?

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Für Swetlana Alexijewitsch liegt die Wahrheit im vielstimmigen Nebeneinander der Erfahrungen hunderter ungekrönter, anonymer „Held*innen des Alltags“, wie sie sie in ihrem Erinnerungsbuch Secondhand-Zeit dokumentiert. Der Komponist Sergej Newski setzt einige dieser Lebensgeschichten als musikalische Erinnerungssplitter zwischen Mussorgskis historische Tableaus.

Sie sind exemplarisch für den Einbruch der Kriege um Macht und Ideale in Enklaven wie Liebe und Familie. Newskis Neukomposition verzahnt sich in BORIS mit Mussorgskis Oper von 1869 zu einer gemeinsamen Erzählung.


PROGRAMM

Modest Mussorgski
Boris Godunow (Urfassung von 1869)
nach dem gleichnamigen Versdrama von Alexander Puschkin

Sergej Newski Secondhand-Zeit (Auftragskomposition der Staatsoper Stuttgart)
nach Texten aus dem gleichnamigen Buch von Swetlana Alexijewitsch


BESETZUNG

Musikalische Leitung Titus Engel
Regie Paul-Georg Dittrich
Bühne Joki Tewes, Jana Findeklee
Kostüme Pia Dederichs, Lena Schmid
Video Vincent Stefan
Licht Reinhard Traub
Chor Manuel Pujol
Dramaturgie Miron Hakenbeck
Kamera und Bildgestaltung Tobias Dusche
Boris Godunow Adam Palka
Fjodor / Die Aktivistin Alexandra Urquiola
Xenia / Die Geflüchtete Carina Schmieger
Xenias Amme / Die Mutter des Selbstmörders Maria Theresa Ullrich
Fürst Wassili Schuiski Matthias Klink
Pimen Goran Jurić
Grigori Otrepjew / Der jüdische Partisan Elmar Gilbertsson
Der Jüdische Partisan (Kind) Ramina Abdulla-zadè
Der Jüdische Partisan (alt) Urban Malmberg
Warlaam Friedemann Röhlig
Eine Schenkwirtin / Die Frau des Kollaborateurs Stine Marie Fischer
Ein Gottesnarr / Der Obdachlose Petr Nekoranec
Schtschelkalow Paweł Konik
Missail Charles Sy
Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart

PRAKTISCHE INFORMATIONEN

  • Premiere  / Uraufführung 2019/2020
  • Altersempfehlung: ab Klasse 9
  • In russischer (Boris Godunow) und deutscher Sprache (Secondhand-Zeit)
  • Die Vorstellung am 7. Februar 2020 findet in Kooperation mit dem ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart statt.
  • Live-Übertragung auf SWR2: Die Premiere am 02.02.2020 wird von SWR2 mitgeschnitten und am Premierentag um 20.03 Uhr auf SWR2 gesendet.
  • Öffentliche Probe am 13. Januar 2020 im Opernhaus
  • Einführungsmatinee am 19. Januar 2020 im Opernhaus, Foyer I. Rang
  • OpernLAB am 25. Januar 2020 in der Jungen Oper im Nord
  • Weitere Informationen auf der Website der Staatsoper Stuttgart: www.staatsoper-stuttgart.de
  • Die Website von Paul-Georg Dittrich: www.paulgeorgdittrich.de
  • … und von Titus Engel: www.titus-engel.net
  • Die genauen Uhrzeiten für die Vorstellungen am 10. und 13. April 2020 werden noch bekannt gegeben. 

 

Fotos: Matthias Baus


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