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Ein ganzes Haus spielt für eine Person: Stefan Kaegi lädt Sie zu einem Gang ins Unterbewusste der Gesellschaft ein.

 

Seit Monaten stehen die Theater leer. Aufführungen vor gefüllten Sälen sind bis auf weiteres verboten. Ausstellungsbesuche durch Einzelpersonen sind dagegen erlaubt. Folgerichtig wird die Black Box Theater zum White Cube Museum und stellt sich selber aus: Das Phänomen, dass hier Menschen zusammenkamen, um Kunst zu sehen. In den leeren Räumen hallt nach, was die Menschen hier verband – Gefühlsstürme, Lacher, Tränen und Applaus.

 

Aber was bleibt von einer flüchtigen Theateraufführung überhaupt zurück? Aufzeichnungen, Kritiken und selbst Regiebücher bilden nur einen Teil der Aufführung ab. Hormone, Gerüche, Textur haben andere Spuren hinterlassen. In ihrer Leere entwickeln Zuschauerraum, Bühne, Garderoben und Lichtbrücken den Charme von Ruinen: Post-Spektakel. Die Bühne und ihre Umgebung als temporäre Ruine einer rituellen Versammlungsstätte. Eine Archäologie der Repräsentation von Gesellschaft. Schicht für Schicht abgetragen gibt das Gebäude den Blick frei auf das, was Theater war, ist, sein kann.

Wieviel davon ist technisch simulierbar, reproduzierbar, synchronisierbar? Was ist, wenn sich die Weltsimulationsmaschine Theater von selbst in Bewegung setzt und das Publikum ins Zentrum des Geschehens rutscht?

Covid19 macht möglich, was sich sonst kein Schauspielhaus erlauben könnte: ein ganzes Haus spielt für eine Person. Wie Tarkowski’s Stalker gehen die ZuschauerInnen vorsichtig durch die Flure, mit Kopfhörern und Handschuhen treten sie durch die leeren Reihen im Zuschauerraum auf die Hinterbühne und betreten das Labyrinth der Fiktionsmaschine. Die Black Box öffnet sich den rekonstruierenden Forschern und stellt die Frage: Wo sind die anderen? In Zeiten von sozialer Distanz und Isolation gilt es hier zu entdecken was Gemeinschaft bedeutet.

Erinnerung funktioniert wie ein Palimpsest aus vielen Schichten. Stefan Kaegi von Rimini Protokoll nimmt Experten für politische Gemeinschaft, Simulation und Erinnerung auf; Menschen, deren Leben mit diesen Räumen und der Idee von Theater verbunden sind: Maskenbildnerinnen und Souffleure, Ensemblemitglieder und Philosophinnen…. Zwischen ihren binaural im Raum inszenierten Stimmen und ortsspezifischen Klängen entsteht eine Fährte durch den Körper des Theaters, die en Passant zu einem Gang ins Unterbewusste der Gesellschaft werden könnte.


BESETZUNG

KONZEPT, SKRIPT UND INSZENIERUNG Stefan Kaegi / Rimini Protokoll
SOUNDDESIGN Nikolas Neecke
DRAMATURGIE Carolin Losch
GASTDRAMATURG Aljoscha Begrich
MIT: Mitarbeiter*innen des Schauspiels Stuttgart, Expert*innen, Sylvana Krappatsch

PRAKTISCHE INFORMATIONEN

  • Treffpunkt Foyer Schauspielhaus
  • Premiere 2019/2020
  • Weitere Informationen auf der Website des Schauspiel Stuttgart: www.schauspiel-stuttgart.de

 

 

 


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