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Das Fieber des Verlangens

Die Opéra national du Rhin und die Straßburger Philharmoniker beenden ihre Spielzeit mit Robert Carsens verblüffender Neuadaption von Tschaikowskis aufwühlender Oper Pique Dame.

Das Libretto beruht auf der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin. Die Besonderheit der Neuadaption von Robert Carsen – der bereits in seiner Zeit als Regieassistent an diesem Werk gearbeitet hat – besteht darin, dass er sich voll und ganz auf Hermann konzentriert, den tragischen Helden der Geschichte. Er betont die unerklärliche und individuelle Macht des Verlangens, indem er die Ausführung so schlicht wie möglich hält und den Plot dadurch abwandelt. Im Sankt Petersburg des ausgehenden 18. Jahrhunderts ist die junge Lisa einem Fürsten versprochen, verliebt sich aber in Hermann, der nach ihrer heimlichen Zusammenkunft deren alte und intrigante Großmutter trifft: die Gräfin. Von ihr erfährt er, dass sie mit Hilfe des Geheimnisses der „drei Karten“ in Frankreich zu Reichtum gekommen ist. Nun beginnt ein wahrer Wettlauf gegen die Zeit oder das Schicksal – ein bei Tschaikowski häufig wiederkehrendes Motiv. Hinter Lisa sieht Hermann nur noch die Macht dieser drei Karten, deren Geheimnis er der Gräfin um jeden Preis abzuringen versucht. Doch Hermanns unheilvolles Verlangen nach der Gräfin sticht seine unheilvolle Liebe zu Lisa aus – zwei permanente Spannungen, deren Klammergriff sich der Protagonist nicht mehr entwinden kann. Vielleicht ist der Wahn das letzte Inbild der Romantik. (A.O.C.)

Foto: Monika Ritterhaus


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