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Das Unverzeichliche verzeihen?

Ein entschlossen zeitgenössisches Stück, Les évènements zeichnet den  Parcour nach, den ein Opfer eines Massakers durchlaufen musste.

Claire, englische Priesterin und lesbisch, dirigiert einen multiethnischen Chor. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als ein gesellschaftlicher Außenseiter in den Übungssaal eintritt und das Feuer eröffnet. Die Choristen tötet er, Claire bleibt verschont. Das Stück beginnt und verfolgt den Verlauf der Protagonistin bei der Suche nach Antworten und Rekonstruktion der Geschehnisse. Wie soll man in die Zukunft sehen nach einem Trauma? Kann man diese Schandtat verzeihen? Und die wichtigste Frage, wieso?

Das Stück stellt fragen und bietet verschiedene Blickwinkel auf die Geschehnisse an, mögliche bis unmögliche Erklärungen. Unterschwellig erscheinen auch Fragen zum Leben des Mörders: Welche Verletzungen haben Ihn dazu gebracht, dise Tat zu verursachen? Ist der Mörder Opfer von Ablehnung, Einsamkeit, politischer oder religiöser Indoktrinierung? Ist sein Akt die Frucht vor rassistischem oder homophobem Hass? Was ist der Auslöser von radikalen Gedanken? Das Stück liefert keine Antworten und keine Urteile, jedoch Reflektionsspuren und neue Betrachtungsperspektiven.

Mit Les évènements wird der Regisseur Ramin Gray, Partner der diesjährigen Edition des RING Festivals, die Eröffnung sicher zum Erfolg bringen. Dank Theatererzählungen schafft er Personen, die zum Erzähler ihrer eigenen Geschichte werden und nicht nur Akteure. Das Stück, von Romane Bohringer und Antoine Reinartz inszeniert, lässt sich frei vom Attentat des norwegischen Anders Behring Breivik inspirieren, der 2011 rund 77 Menschen tötete. Auf der Bühne werden die Schauspieler durch verschiedene Chöre aus Nancy begleitet, dem Faridol, dem Schwing und dem Erwachsenenchor des Konservatoriums. Ein starkes Stück, Paradebeispiel des modernen Theaters, welches zur Zeit der Attentate und des ausgerufenen Ausnahmezustands in Frankreich, ohne Zweifel besondere Aufmerksamkeit erhalten wird. (A.M.)


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