Le 1er web magazine spectacles | Grand Est transfrontalier
Das 1. Webmagazin der darstellenden künste | Grenzüberschreitende Region Grand Est

Generalverdacht

Der Autor Jonas Hassen Khemiri zeigt mit Regisseurin Marie Bues in Ich rufe meine Brüder, was es heißt, als Bürger mit Migrationshintergrund auf rassistische Verdächtigungen zu treffen. 

Ein Anschlag – mitten in der Stadt. In dieser Nacht war Amor zum Tanzen in einem Club, allein. Sein bester Freund kann ihn nicht erreichen. Am folgenden Morgen hat Amor einen Kater. Erst langsam dämmert ihm, was passiert ist. Doch dann setzt die Angst ein, die Selbstbeobachtung, das Misstrauen. Denn Amor ist das Kind von Einwanderern. Der ganze Irrsinn des „Racial Profilings“ wendet sich gegen ihn, der nicht weiß ist, nicht blond, nicht alt oder weiblich, sondern ein junger Einheimischer – mit dunkler Hautfarbe. Sah der Täter nicht irgendwie aus wie er? Wird Amor observiert oder fühlt er sich nur verfolgt? Während Terror den Ausnahmefall aus der Perspektive des Staates und seiner Sicherheitskräfte beleuchtet, zeigt Khemiri, wie ein rassistischer Generalverdacht die betroffenen Mitbürger verunsichern kann. Ich rufe meine Brüder ist nach Das Kamel ohne Höcker der zweite Text von Jonas Hassen Khemiri, der am Staatstheater aufgeführt wird. Der Autor wurde 1978 als Sohn eines Tunesiers und einer Schwedin in Stockholm geboren und gehört zu den wichtigsten neuen Stimmen Europas. Seine Stücke und Romane kreisen immer wieder um Fragen der Identität, Ausgrenzung, Zugehörigkeit und Diskriminierung in Gesellschaften, die von Diversität und Einwanderung geprägt sind. In seinen Texten gelingt es Khemiri, mit leichter Hand zu beschreiben, was für die Betroffenen ein tägliches Ringen um die eigene Würde bedeutet.

Foto © Felix Grünschloß 


WIR EMPFEHLEN AUCH

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Currently Playing

Szenik auf Facebook