Oper ist die Kunstform der historischen Widersprüche. Sie zeigt Figuren, die in der Geschichte so tiefe Spuren hinterlassen haben, dass sie sich nicht in Schwarz oder Weiß einteilen lassen. Mustafa Kemal Atatürk ist eine solche Figur des 20. Jahrhunderts: prägend und widersprüchlich zugleich. Sein Aufbruch in den säkularen Nationalstaat gab einem Land Hoffnung und Perspektive – doch eine Gesellschaft nach Plan fordert auch ihren Tribut. Diese Vielschichtigkeit macht die Ereignisse zu einem Opernstoff, der fürs Heute relevant ist.
Geschichtsschreibung ist immer mehrstimmig – und so wird auch in unserer Uraufführung auf Deutsch, Türkisch, Armenisch, Kurdisch, Französisch, Griechisch und Englisch erzählt.Mensch und Mythos werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet – durch die Augen politischer Verbündeter, Gegner und Opfer, durch die seiner Vertrauten und der Frauen in seinem Leben. Es wird hör- und erfahrbar, was Geschichtsbücher oft unterschlagen – dass Ereignisse von verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich erlebt und erinnert werden.
Bassem Akikis und Olga Bachs Oper geht darüber hinaus der Frage nach, was Atatürks Geschichte über das Entstehen von Nationen erzählt: Was sind die sozialen Kosten, ein Land neu zu erfinden? Wer profitiert von Reformen – und wer zahlt einen Preis? Wieviel Rückschritt kann im Aufbruch stecken?
Die Oper Atatürk erzählt keine Biografie und keine chronologische Heldengeschichte. Sie zeigt stattdessen einen Menschen, der zum Symbol wurde. Private Beziehungen bekommen plötzlich historische Dimensionen, politische Entscheidungen greifen ins persönliche Leben ein. Zwischen Walzer und Derwisch-Tanz, zwischen Kriegsberichten und stillen Momenten entsteht das Bild einer Epoche, die bis heute nachwirkt.
Eine Oper in drei Akten
Libretto von Olga Bach
in deutscher, türkischer, armenischer, kurdischer, französischer, griechischer und englischer Sprache mit Übertiteln in deutscher und englischer Sprache
































