Nach einer Pause und unzähligen Nachfragen ist sie endlich da: die fünfte Ausgabe von «It’s The Real Thing – Basler Dokumentartage», dem Festival der dokumentarischen und propagandistischen Künste.
Einmal mehr beschäftigt uns die Frage, wie wir die Wirklichkeit in den unterschiedlichen Sphären darstellen und herstellen. Klar ist: Seit der letzten Ausgabe 2019 hat das Gefühl für Realität eine spektakuläre Wandlung durchlaufen. Bei der ersten Ausgabe 2013 war das Thema ein special interest für Nerds. Heute ist es ein Massenphänomen. Die digitale Realität hat die physische als ersten Bezugsrahmen überholt. «Wirklichkeit» ist zur ultimativen Verhandlungsmasse geworden, die in sämtlichen Bereichen des Alltags auftaucht. Als als Rätsel, als Gefahr, als Geschäftsmodell, als Provokation.
Die Temperamente sind erhitzt, nichts ist selbstverständlich.
Aber keine Panik, es gibt das Theater.
Viele Themen standen zur Diskussion: Fiction & Distruction, Disruption we love you, Antigone und die Kettensäge oder Die Verwandlung. Wir haben uns für letzteres entschieden. Wir reiben uns die Augen und blicken auf eine verwandelte Welt. Wir nehmen die Herausforderung an. Nimm das, Realität!
Alle eingeladenen Arbeiten haben einen leidenschaftlichen Bezug zur Wirklichkeit. Doch sie bleiben nicht an ihr hängen, sondern überschreiten sie mit starken künstlerischen Setzungen, herausragendem Handwerk, mit konzeptioneller und ästhetischer Kühnheit. Auf die Gegenwart antworten sie mit einer Kunst, die weiterhin das Politische nicht scheut. Aber sie macht sich nicht von diesem abhängig, sondern setzt uns etwas Lebendiges und Ambivalentes entgegen. Verwegen soll sie sein, pathethisch, manchmal mit bösem Witz, auf jeden Fall unberechenbar.
Einmal mehr ist «It’s The Real Thing – Basler Dokumentartage» eine Liebeserklärung an das Theater. Oder in den Worten der unsterblichen Toni Morrison: «Wie öde, wie unerträglich, wie unlebbar wird das Leben, wenn ihm die Dimension der Kunst entzogen wird.»
































