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Dialogues des Carmélites von Francis Poulenc im Opernhaus Zürich

Die Regisseurin Jetske Mijnssen feierte zuletzt mit Rameaus Barockoper Hippolyte et Aricie einen grossen Erfolg am Opernhaus Zürich.

 

 

Das Salve Regina singend, schritten am 17. Juli 1794 sechzehn Karmeliterinnen auf der Pariser Place de Grève ihrer Hinrichtung durch die Guillotine entgegen. Vorausgegangen war ein Schauprozess des jakobinischen Revolutionsgerichts, das die Nonnen wegen ihrer Treue zur Kirche zum Tod verurteilt hatte. Mit jeder Hingerichteten wurde der Chor leiser, bis auch die letzte der sechzehn ermordet war. Diese historische Begebenheit fand ihre literarische Verarbeitung in Gertrud von le Forts Novelle Die Letzte am Schafott (1931), die Georges Bernanos zu einem Drehbuch umarbeitete – der Vorlage zu Francis Poulencs 1957 an der Mailänder Scala uraufgeführter Oper.

Im Zentrum steht die junge Blanche de la Force, die seit ihrer Kindheit unter Angstattacken leidet und Zuflucht im Kloster der Karmeliterinnen findet. In der Weltabgeschiedenheit des Ordens herrscht ein harter, von Selbstüberwindung geprägter Alltag vor. Als die Revolution in die Stille des Klosters einbricht und sich die Klosterfrauen für das Martyrium entscheiden, überwindet zuletzt auch Blanche ihre Todesangst und schliesst sich den Ordensschwestern an.

Poulencs Musik ist theatralisch effektvoll, soghaft und voll von lyrisch-intimen Momenten. Ganz in der Tradition Claude Debussys legt Poulenc den Akzent auf das Gespräch der Schwestern, dessen Hauptgegenstand das Martyrium ist. Dabei werden Tod und Leid jedoch nicht verklärt, sondern problematisiert. Das zeigt sich nicht zuletzt an der kranken Priorin, deren Todeskampf Poulenc in aller Schonungslosigkeit darstellt.

Die Oper hält faszinierende Frauenrollen bereit. Die alte Priorin wird von Evelyn Herlitzius verkörpert, die in Zürich zuletzt als Janáčeks Emilia Marty für Furore sorgte. Eine ebenfalls wohlvertraute Stimme ist Olga Kulchynska, die als Blanche debütiert. Tito Ceccherini, der seine Kompetenz im Umgang mit modernen Partituren an Opernhaus Zürich mit Ligetis Le Grand Macabre unter Beweis stellte, übernimmt die musikalische Leitung.

 


Praktische Informationen

  • Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.
  • Die Einführungsmatinee findet am 30. Januar 2022 statt.
  • Weitere Informationen auf der Website des Opernhauses Zürich: www.opernhaus.ch

 

 

Foto: F. Blaser


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