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Die Zeit totschlagen

An der Seite von Lorenzo Malaguerra und Marcel Bozonnet gelingt Jean Lambert-wild spielend die Herausforderung, Samuel Becketts Meisterwerk Warten auf Godot in einen aktuellen Kontext zu stellen und dabei dem Kosmos des Meisters des absurden Theaters treu zu bleiben. 

Sich ein Theaterstück von Samuel Beckett anzueignen, ist keine leichte Sache. Neben dem hermetischen dramatischen Werk, das auf quälenden existenziellen Fragen fußt, sind es vor allem die fest vorgegebenen Inszenierungsanweisungen des Autors, die den Interpretationsspielraum stark einschränken und jede Ausuferung verhindern. Jean Lambert-wild ist es dennoch gelungen, eine kleine Bresche zu schlagen; er liefert uns eine zeitgemäße Interpretation von Warten auf Godot. Fernab der Barockästhetik, die seine letzten Produktionen durchzogen, bemüht er diesmal Lorenzo Malaguerra und Marcel Bozonnet für eine schlichte Inszenierung, die den Beckett’schen Anweisungen Genüge leistet. 
Ein grelles Licht hebt die geteilten Identitäten von Estragon und Wladimir hervor, großartig gespielt von den ivorischen Schauspielern Fargass Assandé und Michel Bohiri. Zwei Schwarze treffen auf zwei Weiße – Marcel Bozonnet als Pozzo und Jean Lambert-wild als Lucky – und schon bekommt die ganze „Tragikomödie“ eine weitere Dimension: Estragon und Wladimir warten vergeblich auf den berühmten Godot, aber sie warten auch auf den Schlepper, auf ein Visum, die zurückgebliebene Familie… Als universelles Bild einer in Mitleidenschaft gezogenen Menschheit eignet sich der großartige Text von Warten auf Godot wunderbar, um über die Migrationsströme in unserer heutigen Zeit nachzudenken. Eine gelungene Inszenierung, welche die ewige Gültigkeit des unergründlichen Beckett bekräftigt. (C.T.)

Foto © Tristan Jeanne-Valès

Einladungen zu verlosen unter den Mitgliedern des Club szenik für den 02.10. (Teilnahme am Gewinnspiel vom 15. bis zum 22. September möglich)

Die Nazis und die Wahrheit über Godot – eine Interpretation auf welt.de 
derFreitag über die Uraufführung im Jahr 1953
Rezension des Stücks auf France Culture (FR)

BONUS
Tagebuch in 8 Teilen über die Entstehung des Stücks (FR)


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