Skandierte Poesie
Die Straßburger Philharmoniker spielen Dvořák, Prokofjew und Manoury: drei Komponisten im Dienste der Poesie, drei Vorstellungen von der Essenz der Musik.
Die Sinfonie Nr. 7 in d-Moll von Anton Dvořák, auch die „große Sinfonie in d-Moll“ genannt, feierte zwar nicht solche Erfolge wie seine 9. Sinfonie in e-Moll mit dem Beinamen „Aus der Neuen Welt“, nichtsdestoweniger zählt sie zu den gelungensten Werken eines Komponisten auf dem Höhepunkt seiner Kunst. Sie kostete den Komponisten einige Anstrengung, auch wenn sie in kurzer Zeit komponiert wurde. Unter dem Einfluss Wagners war er bestrebt, es dem großen Komponisten gleichzutun und sich in vollem Bewusstsein dem zu widmen, was ihm als das Wesentliche erschien: Gott, der Liebe und natürlich der Heimat – selbst wenn die Liebe in diesem Fall germanisch-nationalistisch gefärbt war!
Hingegen reagierte das Publikum auf Sergei Prokofjews Klavierkonzert Nr. 3 in C-Dur zunächst verhalten. Ironischerweise zählt es heute zu den populärsten Klavierkonzerten des russischen Komponisten, besonders in Europa, wo es – anders als bei seinen Erstaufführungen in Chicago und New York – wohlwollend aufgenommen wurde.
Auf solche Schwierigkeiten traf Pierre Boulez bei der Aufführung seiner Chronophonie in Chicago nicht. Auf seinen Wunsch hin übernahm Philippe Manoury Anfang und Ende dieser Suite und komponierte ausgehend davon das Gerüst seines Stücks Prelude and Wait. Die Skandierung eines „a“ im Sekundentakt ist wie ein Pulschlag und knüpft auf wunderbare Art daran an, was das Wesen der Poesie eines Stéphane Mallarmé oder Samuel Beckett ausmacht. (E.A.)
Foto: Prokofjew
Weitere Informationen
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- Sergei Prokofjews Klavierkonzert Nr. 3 in C-Dur auf France Musique































