Sternschnuppe
In einer Mischung aus Dokumentarspiel und Happening zeigt Michel Schweizer seine Bewunderung für die Welt des Balletts und lädt den ehemaligen Meistertänzer der Pariser Garnier-Oper Jean Guizerix ein, seine Erinnerungen mit dem Publikum zu teilen.
„Menschengruppen“ sind seine Hauptinspirationsquelle: Nachdem er sich in früheren Produktionen bereits mit Jugendlichen, Bodybuildern und Hundetrainern beschäftigt hat, richtet Michel Schweizer nun seinen liebevollen Blick auf die Ballettwelt. Die Mitwirkung von Jean Guizerix, der 1972 an der Opéra Garnier zum „danseur étoile“ (Meistertänzer) gekürt wurde, ist der Ausgangspunkt einer Reflexion über die Weitergabe und ermöglicht eine berührende Hommage an einen Beruf, der durch die verzehrende Leidenschaft, die er fordert, einzigartig ist.
Gesprochenes und getanzte Momente wechseln sich ab, während Jean Guizerix auf seine Lehrjahre zurückblickt, die Sternstunden seiner Karriere und die Begegnung mit dem berühmten amerikanischen Tänzer und Choreografen Merce Cunningham. Sein Gegenüber ist der junge Romain di Fazio, der die Gesten des brillanten Tänzers nachzuahmen scheint – was dessen verschüttete Erinnerungen hochkommen lässt und zugleich von einer nachrückenden Tänzergeneration kündet. Die Stimme der Opernsängerin Dalila Khatir verleiht dieser Begegnung eine weitere Dimension: Hier teilen nicht ein aufsteigender und ein verglühender Stern die Bühne, sondern ein Jüngling und ein Mann als zwei Elemente einer Konstellation. Mit diesem Konzept der Gemeinschaft setzt sich Michel Schweizer in Cartel auseinander: „Ich möchte, dass der Zuschauer von dem Menschlichen ergriffen ist, das er wie eine Projektionsfläche vor sich hat, und dass er sich selbst darin sieht.“ (C.T.)
Photo © Stéphane Bellocq
Weitere Informationen
- Rezension des Stücks durch Télérama (FR) …
- … durch France Culture (FR) …
- … und durch Les Inrocks (FR)































