Es war einmal
Der vergängliche Charakter des Theaters ist oft ein Abbild der Existenz selbst. Johanny Bert inszeniert De Passage von Stéphane Jaubertie und zeigt Bilder aus dem Leben eines Jungen und der Herausbildung seiner Identität.
Irgendwann in der Kindheit kommt der Moment, an dem sich alles unwiederbringlich verändert. Der Moment, in dem uns bewusst wird, dass wir unweigerlich erwachsen werden, und in dem sich die Zeit zu verzerren scheint, um eine andere Dimension anzunehmen. Genau an diesem Punkt setzt die Geschichte an, die Stéphane Jaubertie in De Passage ersinnt. Das Leben eines Jungen gerät aus den Fugen, als er erfährt, dass er adoptiert wurde und deshalb zwei Mütter hat: die, die ihn erzogen hat, und eine andere, unbekannte. Fragen kommen auf, Zweifel, aber auch ein unbändiges Bedürfnis nach Liebe.
Als modernes Märchen macht sich De Passage unsere Ängste zunutze, um sie besser zu zerstreuen. Johanny Bert, der Leiter des Centre dramatique nationale von Montluçon, bedient sich des Schatten- und Figurentheaters, um die Unsicherheit der Existenz auszudrücken: das Vergängliche des Theaters spiegelt die Vergänglichkeit des Lebens wieder. Die Figuren werden durch ein Spiel aus warmem Licht und Dunkel zu Leben erweckt und bewegen sich hinter einer weißen Leinwand – präsent und abwesend zugleich. In dieser chaotischen Welt übernimmt der Erzähler die Rolle dessen, der das Kind und die Zuschauer gleichermaßen lenkt. Mit Kopfhörern ausgestattet erlebt jeder das Bühnengeschehen aus nächster Nähe mit. (C.T.)
Foto: Jean-Louis Fernandez
Weitere Informationen
- Die Homepage von Johanny Bert
- Johanny Bert erklärt in einem Video De Passage
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