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Ein hölzerner Krimi

Mathieu Létuvés moderne Pinocchio-Interpretation ist ein Krimi, der mit der Walt Disney Adaptation nicht viel gemein hat: Fuchs, Grille, blaue Fee und Holzjunge in einer ganz neuen Perspektive.

Das Caliband Théâtre orientiert sich an der ursprünglichen Fabel des Italieners Carlo Collodi. Die Theatertruppe aus der Normandie greift die Rahmenhandlung und die Grundthematik auf, verlegt aber die Geschichte, die uns allen noch aus Kindheitstagen vertraut ist, in ein verruchtes Milieu. Außerdem beginnt dieses Stück mit einem Verbrechen, und zwar an Pinocchio höchstpersönlich! Eineinhalb Stunden lang folgt der Zuschauer den Irrungen und Wirrungen eines mysteriösen Inspektors und Erzählers, der das Märchen rückwärts aufrollt, um den Schuldigen zu entlarven, in einer Mischung aus knallharten Verhören und fantastischen Rückblenden. Radikal verlegt Mathieu Létuvé das Märchen in eine düstere Großstadt des 21. Jahrhunderts, wobei ihm als Vorlage die Bühnenfassung des Briten Lee Hall dient (Verfasser des Drehbuchs zu Billy Elliot, das für den Oscar nominiert wurde) In den schummrigen Ecken eines Cabarets, in neonbeleuchteten Nachtclubs oder in dunklen Gassen trifft die Holzfigur auf alle möglichen Gestalten, die allesamt dieses unsäglichen Verbrechens fähig wären. Gespickt mit Filmzitaten ist diese schwarze Version Pinocchios nicht weniger komisch und stellt die weitreichende Frage: Wie wird man ein Mensch? (C.T.)

Foto © Marie Mellier


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