Der 31. Kleist-Förderpreises für neue Dramatik geht an Kaleb Erdmann. Der Autor wird für sein Stück „Debritz“ ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und mit einer Uraufführungsgarantie verbunden, die in diesem Jahr vom Badischen Staatstheater Karlsruhe übernommen wird. „Debritz“ ist eine Mischung aus Farce, Märchen, Satire und Sozialdrama: In dem fiktiven Ort im Osten Deutschlands betreiben Peggy und ihr Lebensgefährte Maik einen Schweinehof. Es ist sehr trübe, sehr trocken, sehr staubig und sehr trostlos. Schlimmer noch: Die örtliche Solequelle verschmutzt das Grundwasser, die Schweine vertragen das Nass nicht mehr. Grund genug für Peggy, die Quelle trockenlegen zu wollen. Sehr zum Missfallen des Salinenvereins, der von einer Rückkehr der ruhmreichen Salzstadt Debritz und der Wiederauferstehung von Kaiser Barbarossa träumt. Und auch Simone aus Böblingen liebt das Debritzer Salz: als Heilmittel und als – „Fragrances by Simone“ – Verkaufsschlager in ihrer schwäbischen Heimat. Allein den Salzgeist interessieren die Sorgen der Menschen nicht. Er, die überzeitliche, Vita Cola trinkende Naturgewalt, denkt in weitaus längeren Zyklen. – Osten und Westen, oben und unten, das Trockene und das Feuchte, die Gegenwart und die Geschichte, die Selbstbestimmung und das Schicksal.
Die offizielle Preisverleihung mit einer Laudatio von Agnese Grieco findet während der diesjährigen Kleist-Festtage am 7. Oktober 2026 statt. Das prämierte Stück „Debritz“ wird an diesem Abend erstmals in Frankfurt (Oder) gezeigt. Die Uraufführung produziert das Badische Staatstheater Karlsruhe in Zusammenarbeit mit dem Kleist Forum. Die Uraufführung wird am 25. Juni 2026 um 20 Uhr in der Spielstätte Neues Entrée in Karlsruhe Premiere haben. Regie führt Brit Bartkowiak, Oberspielleiterin am Badischen Staatstheater.
Die Jury setzte sich folgendermaßen zusammen:
- Florian Vogel, Künstlerischer Leiter des Kleist Forums Frankfurt (Oder) und Leitung der Jury
- Agnese Grieco, Autorin, Philosophin, Dramaturgin, Regisseurin und Laudatorin
- Claus Ceasar, Uraufführungstheater, Schauspieldirektor Badisches Staatstheater Karlsruhe
- Lea Nienhoff, Kulturreferentin Frankfurt (Oder)
- Anke Pätsch, Direktorin Kleist-Museum
- Kerstin Grübmeyer, Vorstand Dramaturgische Gesellschaft und Leitung Schauspiel Theater Aachen
- Michael von zur Mühlen, Vorstand Dramaturgische Gesellschaft, Theater- und Opernregisseur
- Petra Thöring, Dramaturgin Hessisches Landestheater Marburg
- Jack Kurfess, Theater Consultant
In der Jury-Begründung heißt es: „Mit großer Leichtigkeit und Präzision versetzt Kaleb Erdmann die verschiedenen Gegensätze, die Debritz durchziehen, in Schwingung. Dabei vollbringt er das Kunststück, um seine Protagonistin Peggy herum mit viel Sympathie und Sinn für Komik scharfkantige, typisierte Figuren zu schreiben, und gleichzeitig ein präzises, zugewandtes Bild von Lebenswelt in der deutschen Provinz zu zeichnen. Kaleb Erdmann bewegt sich mit seinem Stück virtuos zwischen Welten, Genres und Wirklichkeiten. Immer auf der Suche nach Wahrhaftigkeit. Zwischen Volkstheater, Märchen, Satire und Sozialdrama ist „Debritz“ vor allem eins: ein lustvolles Plädoyer fürs Theater.“
Vita Preisträger: Kaleb Erdmann wurde 1991 in Witten an der Ruhr geboren und ist im Ruhrgebiet, in Bayreuth, Erfurt und München aufgewachsen. Heute ist er Autor und Dramatiker. Er besuchte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig den Studiengang Literarisches Schreiben, wurde 2020 für den Retzhofer Dramapreis nominiert und war 2021 Finalist des open mike – Wettbewerb für junge Literatur. Ab 2020 war er Autor für verschiedene Fernseh- und Unterhaltungsformate. Sein Debütroman „wir sind pioniere“ erschien im Februar 2024 im Ullstein-Verlag, wurde mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE ausgezeichnet und gelangte auf die Shortlist des Ulla-Hahn-Preises. Er erhielt das Arbeitsstipendium der Landeshauptstadt Düsseldorf, das Residenzstipendium im Künstlerdorf Schöppingen und das Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW. Für das Berliner Ensemble schrieb er 2025 das Stück„Always Carrey On“ über den Schauspieler Jim Carrey. Sein zweiter Roman „Die Ausweichschule“ erschien im Sommer 2025, ebenfalls bei Ullstein, stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem Förderpreis des Bremer Literaturpreises ausgezeichnet. Im November desselben Jahres erhielt er den Literaturförderpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf.
Fakten zum diesjährigen Preis: Zum 31. Kleist-Förderpreis für neue Dramatik 2026 wurden 174 Theatertexte eingereicht. Das ist nicht nur das Dreifache der Einsendungen der vergangenen Jahre, sondern sogar die höchste Anzahl seit Bestehen des Preises. Die Altersspanne der Autorinnen und Autoren liegt zwischen 17 und 89 Jahren.
Die renommierte Auszeichnung wird seit 1996 von der Kleist-Stadt Frankfurt (Oder), dem Kleist Forum und der Dramaturgischen Gesellschaft vergeben. Die einzige Bedingung für die Bewerbung ist, dass die Autorinnen und Autoren bislang nicht mehr als einen Text zur Uraufführung gebracht haben. Der Preis gilt als Wegbereiter vieler, mittlerweile international renommierter Autorinnen und Autoren. Neben dem Preisgeld erfahren die Preisträgerinnen und Preisträger vor allem durch die Uraufführungsgarantie des ausgezeichneten Stücks eine größtmögliche Förderung.


































