Der gewünschte Gesprächspartner…
… ist vorübergehend nicht zu erreichen. Also bleibt Penelope in der Warteschleife und träumt dem Gegenüber hinterher. Antike Fakten in der heutigen Moderne.
Die Geschichte Penelopes hat jeder bestimmt schon fünfmal auf der Bühne gesehen. Jedes Mal quält sich die weibliche Hauptperson in griechischen Versen, während Odysseus Ungeheuern das Fürchten lehrt. Elmar Goerden beschäftigt sich in dieser Inszenierung näher mit der Zurückgebliebenen, die, zwischen der Mutter –und wartenden Ehefrau-Rolle, ihr Selbst auf eine Warmhalteplatte stellt.
Der Mann ist weg, die Kinder sind erwachsen. Der Sohn wird geliebt, die Tochter muss die Launen der zynischen Mutter aushalten und die Wohnung für den hoffentlich bald wiederkehrenden Vater herrichten. Penelope hat sich unterdessen abgeschottet. Sie weicht nicht aus ihrem Haus, hält die Gegenstände ihres Mannes in Ehren (ein von ihm aufgeblasener Ball) und träumt vom Gestern, als er noch da war. Was würde passieren, wenn sie vor die Tür aufmache? Würde ihre Blase zerplatzen und sie begreifen, dass das Leben an ihr vorbeigelebt ist? Zielgerade und mit unerwartetem Humor stellen sich die Schauspieler die Frage, was mit Menschen passiert, die nicht einmal aus dem Fenster sehen, sondern nur darauf warten, dass jemand an die Tür klopft. Zudem muss sich gefragt werden, wie viele solcher modernen Penelopes tatsächlich in ihren Wohnungen sitzen und einer beendeten Beziehung hinterhertrauern.
Ein Stück, dessen Melodie der Hoffnung in D-Moll erklingt. (J.L.)
Mit
Penelope Mariananda Schempp
Odysseus Stéphane Maeder
Tochter Milva Stark
Sohn Nico Delpy
Nach Motiven aus Homers Odyssee
Foto © Dannielle Linniger































