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Tonleiter und Arpeggios

Das Ballet de Genève lotet das breite Spektrum des neoklassischen und zeitgenössischen Tanzes aus. Die Choreographen Ken Ossola und Andonis Foniadakis zeigen mit Lux und Glory zwei originelle und anspruchsvolle Werke.

In Sed Lux Permanet (Aber das Licht bleibt) lenkt Ken Ossola die Schritte der 22 Tänzer des Genfer Balletts zur lichten Partitur von Gabriel Faurés Requiem. Die raffinierte Choreographie ist eine perfekte Umsetzung der Musik, eine Dialektik zwischen Geburt und Tod, zwischen Licht und Dunkelheit. Das menschliche Dasein, in seiner Komplexität und mit seiner unabwendbaren Bestimmung, besteht aus dem, was es verklärt. Die seltsame physische Kraft der Musik transzendiert die Darbietung und versetzt die Körper, die sich in dieser rätselhaften, einen Wimpernschlag dauernden Zeitspanne zwischen Geburt und Todeskampf bewegen, in Schwingungen.
Mit Glory bekräftigt Andonis Fonidadakis ein weiteres Mal seine besondere Affinität zur Barockmusik: Er wählt für seine Choreographie die Klangstrukturen Georg Friedrich Händels. Die Meditationen und Beschwörungen verleihen dem Tanz eine kühne Antriebskraft, die Körper verkeilen sich ineinander. Durch die ungehemmte Virtuosität, den ausgeprägten Sinn für Komposition und die rigorose Auseinandersetzung mit der Musik ist Glory eine organische, intensive Darbietung ohne jegliches Pathos. Sie huldigt einer majestätischen Musik und kommt dabei allein mit einer kunstvollen Beleuchtung, völlig ohne Bühnenbild aus. Eine doppelte Hommage an zwei Hauptwerke der Moderne und ein gemeinsames Bekenntnis zur menschlichen Fähigkeit, die Schatten der Existenz zu transzendieren. (V.B.)

Photo © Vincent Lepresle


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