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Die Schauspieldirektorin Bettina Bruinier widmet sich der „Kohlhaaserei“ im Saarländischen Staatstheater

 

Heinrich von Kleists Novelle Michael Kohlhaas ist ein Klassiker. Wie aktuell der Stoff ist, zeigt unser Verfassungsgerichtspräsident Prof. Andreas Voßkuhle. Einer seiner Lieblingsbegriffe lautet „Kohlhaaserei“ – und damit rügt er Wutbürger wie politische Populisten. Bettina Bruinier widmet sich nun diesem Text in der Alten Feuerwache in Saarbrücken.

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Der 1. Oktober 1532 ist ein wichtiges Datum für unsere Rechtsgeschichte. An jenem Samstag machte sich der Pferdehändler Hans Kohlhase von Cölln an der Spree auf gen Leipzig, wo er auf der Messe einige seiner Tiere verkaufen wollte. Bei einem Zwischenstopp ließ ihm ein Provinzfürst zwei seiner Pferde abnehmen. Begründung: Kohlhase habe sie gestohlen. Der Pferdehändler versuchte daraufhin vergeblich, seinen Besitz mit juristischen Mitteln wiederzuerlangen. Vergeblich. Seinen Ausweg suchte er dann in der Selbstjustiz. Er brannte Häuser des selbstgerechten Adeligen nieder und landete dafür auf dem Schafott.

Mit Heinrich von Kleists Novelle aus dem Jahr 1808 hielt eine bestimmte Rächerfigur Einzug in die Literatur. Wir kennen sie heute nur zu gut aus dem Hollywood-Genre. Auch hier sind es rechtschaffende »kleine Leute«, die sich von Staat und Justiz im Stich gelassen fühlen. Sie rüsten auf und ziehen in den Krieg gegen arrogante Eliten oder Gangster-Kartelle, die mit der öffentlichen Verwaltung kungeln. Aber so sehr wir mitfühlen können, gruselt es uns auch vor dem Terror der Selbstjustiz.

Wann nämlich sollte sich das »gesunde Volksempfinden« gegen »die da oben« wenden? Und wann ist das Rechtssystem die letzte Bastion eines aufgeklärten Miteinanders? Ist bei Kohlhase gar die magische Wirkung des Dunning-Kruger-Effekts zu beobachten, wonach jemand, der die eigenen Fähigkeiten über- und die der anderen unterschätzt, sehr viel sorgloser große Risiken eingehen kann?

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BESETZUNG

Inszenierung Bettina Bruinier 
Bühnenbild und Kostüme Mareile Krettek 
Musik Oliver Urbanski
Dramaturgie Horst Busch 

Hans Kohlhaas Fabian Gröver
Mechtild / Almuth Fugger Martina Struppek 
Lisbeth Verena Bukal 
Christina von Reul Christiane Motter 
Antonia von Tronka Gaby Porchert 
Ottilie Fugger Anne Rieckhof 


PRAKTISCHE INFORMATIONEN

  • Eine wahre Satire von Marcel Luxinger nach der Novelle von Heinrich von Kleist
  • Premiere 2019 / 2020
  • Einführung 30 Min. vor Beginn
  • Weitere Informationen auf der Webseite des Saarländischen Staatstheater: www.staatstheater.saarland.de 

 

Fotos: Astrid Karger


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