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Kassandra_2022 von Katharina Molitor im Theater im Viertel

 

 

In mythischer Zeit sagte sie immer wieder die Katastrophe voraus. Sie warnte ihre Familie, ihre Stadt, ihre ganze Welt vor dem sicheren Untergang. Doch Kassandras Rufen wurde kein Glauben geschenkt, ihre Warnungen wurden zwar gehört, nahmen aber niemals Einfluss auf die Entscheidungen ihrer Zeitgenossen. Und was Kassandra prophezeite, geschah: Troja brannte nieder, auch sie selbst entging nicht dem gewaltsamen Tod.

Kassandras Schicksal ist uns sprichwörtlich geworden. Und trotzdem lebt ihr Fluch weiter in den Stimmen all jener, die auch heute versuchen, die Menschheit vor der kommenden Katastrophe zu warnen – und die ganz im Zeichen Kassandras immer wieder ankämpfen müssen gegen Unglauben, Gleichgültigkeit oder gar Hass.

Heute, im 21. Jahrhundert, wie damals im Troja grauer Vorzeit, gibt es so viele vermeintliche Gründe, der warnenden Stimme keine Macht über das eigene Handeln einzuräumen: von „Das haben wir schon so oft gehört“ bis „Das ist doch bloß Panikmache“ wird viel ins Feld geführt. Und genau wie es auch für die Trojaner so viel bequemer war, Kassandras Gesichte der Zukunft als Wahn abzutun, muss Greta Thunberg sich heute als hysterische Göre beschimpfen lassen.

Kassandra war ein Mädchen, eine junge Frau. Ein Mensch, keine Göttin. Sie wusste von wichtigen Dingen und hat versucht die, die sie liebte, zu warnen. Dafür wurde sie geschmäht, beleidigt, bestenfalls als Kuriosum akzeptiert.

Warum hat sie nicht einfach aufgegeben? Es wäre doch so viel leichter gewesen, zu schweigen.


Praktische Informationen

  • Schulvorstellungen: 27.09.22 / 04.10.22 / 11.10.22 / 18.10.22 jeweils um 11.30Uhr
  • Weitere Informationen: www.dastiv.de

 

 

Foto: Isolde Stein


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