Die Märchenoper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck (1854-1921) gehört zu den Kernwerken des Opernrepertoires. Für viele zählt dieses Werk zu den ersten und prägendsten Eindrücken, die sie, oftmals im Kindesalter, im Opernhaus gewonnen haben. Die Entstehungsgeschichte reicht in die frühen 1890er Jahre zurück, als der glühende Wagner-Verehrer Humperdinck auf Anregung seiner Schwester Adelheid Wette erste Verse für den privaten Hausgebrauch vertonte. Aus diesem Familienprojekt erwuchs eine der erfolgreichsten Opern der Musikgeschichte. Ihre Uraufführung im Jahr 1893 fällt zeitlich mit den Anfängen der Psychoanalyse zusammen – einer Epoche, in der Wissenschaft wie Kunst begannen, sich intensiv mit unbewussten Trieben und menschlichen Sehnsüchten auseinanderzusetzen. Musikalisch besticht die Partitur bis heute durch ihre einzigartige Mischung aus spätromantischer Orchestermagie und innigen, volkstümlichen Melodien.
Entsprechend groß war die Erwartung des Publikums an die Neuinszenierung des britischen Regisseurs Keith Warner zu Beginn der Spielzeit 2014/15. Warner überlagert in seiner Lesart märchenhaftes Spiel, surreale Traumwelten und düstere Realitäten: Die Geschwister Hänsel und Gretel wachsen hier gemeinsam mit anderen Kindern in einem Waisenhaus auf, wo sie unter Hunger und der Strenge ihrer aggressiv-melancholischen Pflegemutter leiden. Anstatt Aufgaben zu erledigen, flüchten sich die beiden in ausgelassene Spiele. Zur Strafe vor die Tür gesetzt, geraten sie in einen labyrinthartigen Märchenwald und landen schließlich am Häuschen der zwielichtigen Knusperhexe. Die Kinder können sich aus den Fängen der Alten befreien und retten damit auch die Lebkuchenkinder, die vor ihnen ihr Los geteilt hatten. Warners Inszenierung ist ein leidenschaftliches Plädoyer für das Lesen und die Vorstellungskraft: Sie zeigt, wie Literatur die Fantasie der Kinder beflügelt, und überrascht mit originellen Details – wie den vierzehn Engeln, die als historische Persönlichkeiten dargestellt werden, welche sich um das Wohl von Kindern verdient gemacht haben.
„Üppig, prall und lebendig ist dieses Zauber-Märchenspiel auf der Bühne: ein einziger großer Rausch aus Licht, kleinen Tricks und mal verblüffenden, mal naiven Illusionen“, urteilte die Sendung Fazit von Deutschlandfunk Kultur nach der Premiere am 12. Oktober 2014.
Die Vorstellungen werden musikalisch alternierend von Alden Gatt und Generalmusikdirektor Thomas Guggeis geleitet. Guggeis dirigiert die Vorstellungen am 10., 20. und 26. Dezember. Er steht darüber hinaus in dieser Spielzeit noch in den Premierenserien von Le roi Arthus, Un ballo in maschera und The Greek Passion am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters sowie bei den Wiederaufnahmen von Richard Wagners Das Rheingold und Die Walküre. Gastdirigate führen Guggeis in dieser Spielzeit nach Florenz und an die Mailänder Scala. Im Sommer 2027 debütiert er mit Tannhäuser bei den Bayreuther Festspielen. Gatt, seit der Spielzeit 2023/24 der Oper Frankfurt als Kapellmeister verbunden, dirigiert rund um den Jahreswechsel die Vorstellungen von Mozarts Così fan tutte an der Oper Frankfurt. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er schon an Opernhäusern in Dallas, San Francisco und an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Die Titelpartien gestalten im Wechsel die Ensemblemitglieder Karolina Makuła und Bianca Andrew als Hänsel sowie Karolina Bengtsson als Gretel. Als Besenbinder Peter sind alternierend Sebastian Geyer und Liviu Holender zu erleben, die Partie der Mutter Gertrud übernehmen im Wechsel Claudia Mahnke und Juanita Lascarro. In der Rolle der Knusperhexe steht erneut Peter Marsh auf der Bühne. Komplettiert wird das Ensemble der Wiederaufnahme von Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel durch die Opernstudio-Mitglieder Ruby Dibble als Sandmännchen und Younji Yi als Taumännchen.
Märchenspiel in drei Bildern von Engelbert Humperdinck
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Alden Gatt / Thomas Guggeis; Inszenierung: Keith Warner Mitwirkende: Karolina Makuła / Bianca Andrew (Hänsel), Karolina Bengtsson (Gretel),
Sebastian Geyer / Liviu Holender (Peter, Besenbinder), Claudia Mahnke / Juanita Lascarro (Gertrud, sein Weib), Peter Marsh (Die Knusperhexe), Ruby Dibble (Sandmännchen), Younji Yi (Taumännchen)
































