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Mensch, der Mensch

Die freie Regisseurin Bernadette Sonnenbichler nimmt es mit dem verliebten Melancholiker Alceste auf. Ein Stück über Kompromisse, verschmitzte Charaktere und die Welt.

 

Lüge, Verstellung und Heuchelei sind Alceste verhasst. Seine Forderung nach Aufrichtigkeit und schonungsloser Ehrlichkeit ist in einer Gesellschaft, die auf Intrigen, Bestechung und Genuss aufgebaut ist, aussichtslos.
Philinte, Freund und Vertrauter Alcestes, versucht ihn mit seiner optimistisch-pragmatischen Einstellung zur Welt zu überzeugen, dass man im Leben Kompromisse eingehen müsse. Umsonst: Alceste legt sich mit Freund und Feind an. Er kritisiert und verschmäht das ihm zur Begutachtung vorgetragene Gedicht Orontes, der die Angelegenheit, zutiefst gekränkt, vor Gericht bringt. Da Alceste es ablehnt, die Richter zu bestechen, verliert er den Prozess. Desillusioniert und verbittert, entwickelt er sich immer mehr zum Menschenfeind.
Doch Alceste besitzt noch eine ganz andere Seite. Molière gab seiner Komödie den Untertitel „der verliebte Melancholiker“ und verweist damit auf die Gespaltenheit des Protagonisten. Alceste liebt die attraktive Witwe Célimène, aber Célimène wird von aller Welt umschwärmt. Diese Verbindung kann nur scheitern. Denn Alceste macht auch in der Liebe keine Eingeständnisse und verteidigt seine Prinzipien bis zur Selbstzerstörung. Célimène hingegen ist nicht bereit, ihre Unabhängigkeit aufzugeben und der Welt zu entsagen.
Die Uraufführung des Menschenfeindes fand 1666 im Theater des Pariser Palais Royal statt. Der französische Komödienautor und Regisseur Jean-Baptiste Poquelin, genannt Molière (1622–1673) spielte darin selbst die Titelrolle des Alceste. Doch der Erfolg blieb aus – das zeitgenössische Publikum lehnte die trügerische Komik des Stücks und die Ambivalenz der Hauptfigur ab. Erst viel später erkannte man gerade in dieser Komödie Molières große Meisterschaft: die Entdeckung allzumenschlicher Unzulänglichkeiten.

 

Inszenierung Bernadette Sonnenbichler
Kostüme Tanja Kramberger
Choreografie Jean Laurent Sasportes
Dramaturgie Gwendolyne Melchinger
Bühne Wolfgang Menardi
Musik Jacob Suske
Licht Sebastian Isbert
Live-Musik Marvin Holley (Gitarre), Marc Roos (Posaune), Fabian Wendt (Bass)
Pferdebetreuung Fahrstall Knodel

Mit
Matthias Leja, Alceste
Robert Rozic, Philinte
Sven Prietz, Oronte
Therese Dörr, Célimène
Marietta Meguid, Arsinoé
Celina Rongen, Eliante
Benjamin Pauquet, Acaste
Sebastian Röhrle, Clitandre
Julian Lehr, Du Bois, Diener

 

Foto: David Baltzer

  • Premiere 2019 
  • Weitere Informationen auf der Homepage des Schauspiel Stuttgart

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