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Ein einzelnes Cello, roh und verletzlich, tastet sich durch Nebel und Schwerkraft. Die isländische Komponistin Anna Thorvaldsdottir schreibt in ihrem Cellokonzert Before we fall kein Solo, sie entfesselt ein Kräftefeld: Das Orchester atmet, knistert, zieht, stößt ab. Klang wird Landschaft, Widerstand, Sog. Man hat das Gefühl: Gleich passiert etwas. Das Cello schwebt – und doch könnte es jeden Moment kippen. Before we fall ist Musik wie ein Augenblick kurz vor dem Sprung, ein vibrierender Moment zwischen Kontrolle und Kontrollverlust.
Dmitri Schostakowitsch hat zeitlebens unter dem Stalinistischen System gelitten. Viele Nächte saß er auf gepackten Koffern, weil er nicht wusste, ob er vielleicht doch noch abgeholt und in eines der Lager verfrachtet würde. Schostakowitsch rang mit der Sinnlosigkeit von Gewalt. Seine 8. Sinfonie versteht er als Requiem für die Verluste auf allen Seiten. Bis zuletzt hat es der russische Komponist geschafft, seinem Protest musikalische Gestalt zu verleihen. Seine Achte ist ein bewegendes Zeugnis gegen Krieg, Hass und Hetze.

Anna Thorvaldsdottir (*1977): Before we fall (Cellokonzert)
Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975): Sinfonie Nr. 8


  • Mit Werken von Anna Thorvaldsdottir und Dmitri Schostakowitsch
  • Musikalische Leitung: André de Ridder
  • Mit: Philharmonisches Orchester Freiburg

theater.freiburg.de


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