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Europa in der Sackgasse?

Julien Gosselin und Aurélien Bellanger holen die Gruppe 43 der École du TNS auf die Bühne und lassen sie über den Tunnel im Ärmelkanal, Calais, Rechtspopulismus und eine verunsicherte, junge Generation zu Wort kommen. Was heißt es nach dem Mauerfall geboren zu sein? 

 

Ich wurde ein Jahr vor dem Mauerfall geboren. Die historisch wichtigste Nacht meines Landes habe ich in meiner Wiege mit meinem Teddybären im Arm verschlafen (kein Kommentar!) … Später, in der Schule brachte man uns bei, was es heißt in einer Demokratie zu leben; wir erfuhren von der Notwendigkeit eines Wahlrechts, tauschten die D-Mark in Euroscheine, bekamen die Möglichkeit mit Erasmus andere Universitäten und Länder kennenzulernen. Krieg, Gewalt auf den Straßen war uns aus den Medien bekannt. Ich erinnere mich an den Schock, den der 11. September in mir verursachte. Wir zündeten in unserem kleinen Gymnasium Kerzen im Foyer an. Heute blicken wir auf junge Erwachsene, die sich an die Spitze eines Landes wählen lassen, Politiker, welche Grenzen dichtmachen, Flüchtlinge, die vor unseren Augen abgeschoben werden. Wir blicken uns dabei um und sehen junge Menschen, die ebenfalls die Faust ballen und „Raus“ brüllen… Wissen wir wirklich was es heißt, in einer Demokratie, gleichberechtigt und offen zu leben oder bedeutet sie uns nichts, weil wir nie um sie fürchten mussten? 

Aurélien Bellanger und Julien Gosselin haben ein erstaunliches Stück auf die Beine gestellt. Sich zwischen Performance, Kunstobjekt, Dokumentation aufhaltend, lassen sie die Gruppe 43 der École du TNS über den Tunnel im Ärmelkanal, die damit verbundenen Hoffnungen, wirtschaftlichen Größenwahnsinn, Calais, soziale Unruhen und eine verunsicherte, europäische Generation sprechen. Worte, die am Herzen und am Verstand zerren; Musik, die gewaltig auf den Kopf einhämmert und die Frage, oh diese große Frage: „Wo führt das alles hin?“ stehen im Raum und halten Sie im Sitz des Theatersaals fest. Brillant.

P.S. Noch eine Frage: Erinnern Sie sich an den Text der Europahymne? 

 

Aurélien Bellanger, Text

Julien Gosselin, Inszenierung

Emma Depoid, Solène Fourt, Bühnenbild

 

Mit

Quentin Barbosa, Genséric Coléno-Demeulenaere, Camille Dagen, Marianne Deshayes, Roberto Jean, Pauline Lefebvre-Haudepin, Dea Liane, Zacharie Lorent, Mathilde Mennetrier, Hélène Morelli, Thibault Pasquier, David Scattolin

 

Foto: Jean-Louis Fernandez

  • Unser Interview mit Mathilde-Edith Mennetrier, Schauspielerin in 1993 (FR)

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