In Händels Flavio verlieren sich die Untertanen in Machtkämpfen und heimlichen Affären, während der Herrscher sein Leben genießt. Die Oper Frankfurt zeigt das Werk erstmals überhaupt im Bockenheimer Depot. Georg Friedrich Händel (1685–1759) löste sich am Ende einer für ihn erfolgreichen Saison 1722/23 vom ernsten Ton seiner bisherigen Londoner Opera seria und schrieb mit seiner 16. Oper eine Tragikomödie, die Satire, komische Missverständnisse und Momente tiefer Tragik mischt. Librettist Nicola Haym verwob dafür ein römisches Libretto von 1696 mit einem Handlungsstrang aus Corneilles Le Cid; zu Beginn der Kompositionsarbeit trug das Werk noch den Titel Emilia. Das an heroische Stoffe gewöhnte Publikum der Royal Academy of Music in London nahm Flavio damals nur mäßig auf. Bis heute ist die Oper selten zu erleben. Womöglich standen Händels subtile Gesellschaftskritik einer breiteren Rezeption im Weg.
Zum Inhalt: Am Hof des Königs Flavio, der auch über Britannien herrscht, spricht man lieber über gesellschaftlichen Aufstieg als über Politik. Flavio spielt seine Untertanen gegeneinander aus und versucht, die Hofdame Teodata zu verführen, obwohl sie heimlich seinen Adjutanten Vitige liebt. Beim zweiten Liebespaar, Emilia und Guido, gibt es ebenfalls Komplikationen. Ihre beiden Väter streiten um die vakant gewordene Stelle des Statthalters. Es setzt eine Ohrfeige und als Folge ein Duell. Guido muss für seinen Vater kämpfen und tötet seinen zukünftigen Schwiegervater. Kann Emilia den Mörder ihres Vaters noch lieben? Gleichzeitig genießt König Flavio den Stillstand in seinem Herrschaftsgebiet.
Inszeniert wird Flavio von Tilmann Köhler. An der Oper Frankfurt inszenierte er bereits Teseo (2013), Radamisto (2016) und Xerxes (2017) von Händel. Weitere erfolgreiche Arbeiten legte er hier mit den Opern Le vin herbé, Der Traumgörge, Le nozze di Figaro und Bianca e Falliero vor. Neben regelmäßigen Arbeiten an führenden Häusern wie dem Deutschen Theater Berlin, dem Düsseldorfer Schauspielhaus und dem Residenztheater München führten ihn seine Regiearbeiten auch auf die internationalen Bühnen von São Paulo und Taipeh. Die Musikalische Leitung liegt bei Karsten Januschke. Bis 2015 war er der Oper Frankfurt als Kapellmeister verbunden, seither gastiert er im internationalen Opern- und Konzertbereich. In der laufenden Spielzeit dirigierte er die Premierenserie von Tschaikowskis Mazeppa. Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester spielt abermals auf historischen Instrumenten in historischer Stimmung (a′ = 415 Hz). Die Titelpartie singt die Mezzosopranistin Cláudia Ribas. In dieser Spielzeit überzeugte sie bereits als Tancredi auf der Frankfurter Opernbühne. 2024 gewann sie bei der renommierten International Vocal Competition ’s-Hertogenbosch (IVC) den Ersten Preis sowie den Wagner-Preis, den Publikumspreis und den Junior-Jury-Preis. König Flavio ist eines ihrer beiden Rollendebüts der Saison, das zweite folgt mit Clarisse in Die Liebe zu den drei Orangen. Sopranistin Lubov Karetnikova singt Emilia, eine Partie, die sie in der aktuellen Spielzeit auch am Staatstheater Meiningen verkörperte. In Frankfurt sang sie bereits in einer Produktion von Dittersdorfs Doktor und Apotheker. Weitere Engagements führten sie unter anderem bereits an die Lettische Nationaloper in Riga. Countertenor Iurii Iushkevich (Guido) debütierte in der Spielzeit 2023/24 als Nireno (Giulio Cesare in Egitto) an der Oper Frankfurt. In Written on Skin und bei Ottone stand er ebenfalls auf der hiesigen Opernbühne. Iushkevich gastiert regelmäßig international, unter anderem an Opernhäusern in Lyon und Florenz und auch bei den Salzburger Festspielen. Ensemblemitglied Kelsey Lauritano übernimmt die Partie der Teodata. Im November 2026 gestaltete sie ihren ersten Liederabend an der Oper Frankfurt. Das langjährige Ensemblemitglied Elizabeth Reiter stellt die Partie der Vitige dar. Andrew Bidlack und Jarrett Porter singen die rivalisierenden Väter Ugone und Lotario. Der US-amerikanische Tenor Bidlack wurde von der Fachzeitschrift Opera News als einer der „25 Rising Stars“ ausgezeichnet. Porter, seit der Spielzeit 2024/25 der Oper Frankfurt als Ensemblemitglied verbunden, stand in dieser Spielzeit bereits als Bösewicht Orlik in Mazeppa auf der Bühne.
Oper in drei Akten von Georg Friedrich Händel In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Karsten Januschke; Inszenierung: Tilmann Köhler
Mitwirkende: Cláudia Ribas (Flavio), Iurii Iushkevich (Guido), Lubov Karetnikova (Emilia),
Kelsey Lauritano (Teodata), Elizabeth Reiter (Vitige), Andrew Bidlack (Ugone), Jarrett Porter (Lotario)
































