Die Oper Un ballo in maschera von Giuseppe Verdi (1813–1901) zeichnet sich durch ein Spannungsfeld aus: Die Unbeschwertheit bestimmt das Werk ebenso wie der Hang zur Katastrophe. Die Oper Frankfurt bringt diese zentrale Oper des italienischen Repertoires nun in einer Neuinszenierung von Andrea Breth heraus. Nach Erfolgen wie Rigoletto, La traviata und Il trovatore markiert Un ballo in maschera (1859) einen strukturellen Wendepunkt im Schaffen Verdis. Der Komponist löste sich von den Konventionen des traditionellen Melodramma und verband Elemente der Komödie und der Tragödie. Als Vorlage diente Eugène Scribes Libretto über die Ermordung des schwedischen Königs Gustav III. Aufgrund strenger Zensurauflagen musste der historische Schauplatz mehrfach angepasst werden; zur Uraufführung am Teatro Apollo in Rom wurde die Handlung schließlich in das koloniale Boston verlegt. Musikalisch nutzt die Partitur das Prinzip des „chiaroscuro“ – den gezielten Einsatz extremer Hell-Dunkel-Kontraste. Dem Orchester kommt dabei nicht nur eine rein begleitende Funktion zu. Vielmehr übernimmt es eine treibende dramaturgische Funktion.
Im Zentrum der Handlung steht Graf Riccardo, ein beim Volk beliebter Herrscher. Riccardo will trotz der Warnungen seines Freundes Renato nicht wahrhaben, dass eine Gruppe von Verschwörern seinen Tod plant. Stattdessen stürzt er sich in eine Affäre mit Renatos Ehefrau Amelia, die mithilfe der Seherin Ulrica ihre verbotenen Gefühle zu überwinden sucht. Als Ulrica Riccardo voraussagt, durch Renatos Hand zu sterben, verspottet er die Weissagung, bis der Betrogene das heimliche Paar ertappt und Rache schwört. Auf einem von Riccardo selbst veranstalteten Maskenball erfüllt sich die Prophezeiung.
Die Neuinszenierung verantwortet Regisseurin Andrea Breth. In der vergangenen Spielzeit inszenierte sie in Frankfurt Giacomo Puccinis Turandot. Nahezu alle Vorstellungen der Serie waren ausverkauft. In ihrer Regiearbeit sucht sie nach tiefgründigen thematischen Verbindungen und verknüpft diese mit einer präzisen Personenregie. Zu ihren jüngsten Opernarbeiten zählen Faurés Pénélope an der Bayerischen Staatsoper (2025) sowie Madama Butterfly (2024) und Salome (2022) in Aix-en-Provence. Generalmusikdirektor Thomas Guggeis, von der Fachzeitschrift Opernwelt zum Dirigenten des Jahres gekürt, leitet das Frankfurter Opern- und Museumsorchester in den Vorstellungen im Dezember. Neben Un ballo in maschera dirigiert er in dieser Spielzeit auch die Premierenserien von Le roi Arthus und The Greek Passion an der Oper Frankfurt. Im Sommer 2027 debütiert er mit Tannhäuser bei den Bayreuther Festspielen. Am 31. Dezember sowie im Januar übernimmt Kapellmeister Simone Di Felice das Dirigat. Die Partie des Riccardo singt Matteo Lippi, als Amelia ist Guanqun Yu zu erleben. Ensemblemitglied Mikołaj Trąbka übernimmt mit Renato seine erste große Verdi-Partie. Die Seherin Ulrica, eine der ersten großen Altpartien der romantischen Oper, singt Emanuela Pascu. Die Hosenrolle des Pagen Oscar übernehmen alternierend Anna Nekhames und Younji Yi. Das Ensemble komplettieren Taehan Kim als Silvano, Pete Thanapat als Samuel, Inho Jeong als Tom und Michael McCown als Ein Richter.
Melodramma in drei Akten von Giuseppe Verdi
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Thomas Guggeis / Simone Di Felice; Inszenierung: Andrea Breth Mitwirkende: Matteo Lippi (Riccardo), Guanqun Yu (Amelia), Mikołaj Trąbka (Renato), Emanuela Pascu (Ulrica), Anna Nekhames / Younji Yi (Oscar), Taehan Kim (Silvano), Pete Thanapat (Samuel), Inho Jeong (Tom), Michael McCown (Ein Richter) u.a.
































