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Die Handlung ist so erbarmungslos wie das Räderwerk einer antiken Tragödie: Marketenderin Anna Fierling, genannt Mutter Courage, zieht ihren Planwagen hinter wandernden Heeren im Dreißigjährigen Krieg. Sie macht Geschäfte, spekuliert und lässt keine List aus, um dem Mahlwerk des Krieges zu trotzen und ihre Familie heile durchzubringen. Doch Anna Fierling verkalkuliert sich: Nach und nach fordert der Krieg die Leben ihrer drei Kinder. Am Ende bleibt ihr nur noch der Wagen.

Für Generationen von Deutschen war Mutter Courage eine Parabel auf den Krieg als verlängerten Arm des Kapitalismus. Der Krieg selbst blieb dabei abstrakt – denn der Krieg war vorbei. Heute ist er allgegenwärtig, findet aber stets woanders statt, scheint es. Wie viel Krieg verträgt unser Frieden? In seiner ersten Inszenierung am Theater Baden-Baden lässt Hausregisseur Nick Hartnagel den flimmernden Kriegszustand, in dem Schicksal und Zufall ununterscheidbar werden, in unser Theater und unsere Realität hineinschleichen.

Eine andere Baden-Badener Inszenierung von Mutter Courage erlangte 1962 bundesweite Bekanntheit: Oberbürgermeister Ernst Schlapper ließ das Stück als kommunistische Propaganda verbieten. Ein Autor wie Brecht sei dem “mondänen Publikum” in der Kurstadt nicht zumutbar. Kurzerhand reisten Theaterleute wir Publikum in Bussen nach Straßburg, um die Premiere im dortigen städtischen Theater zu zeigen. Gut, dass man heute wieder alles sagen darf, denkt sich das Team und freut sich zu früh: Theaterzensur, Selbstzensur und Staatsräson zeigen ihre Fratze und gefährden die Premiere. Denn es geht das Gerücht um, dass Mutter Courage in Baden-Baden niemals gespielt werden kann, ohne verboten zu werden.

theater-baden-baden.de


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