„Wahrhaftigkeit und echte Auseinandersetzung mit den Härten sozialer Differenz“: Thomas Ostermeier präsentiert Im Herzen der Gewalt, den autobiografischen Roman des französischen Schriftstellers Édouard Louis
Mit der Rekonstruktion einer traumatischen Nacht formuliert Édouard Louis in seinem autobiographischen Roman Im Herzen der Gewalt eine ebenso persönliche wie gesellschaftlich durchdringende Analyse über das Erwachsenwerden, Begehren, Migration und Rassismus und macht in der Stimmenvielfalt der Reaktionen auf das ihm angetane Verbrechen gesellschaftlich verdrängte Formen der Gewalt hörbar.

Édouard um 4 Uhr morgens auf der Place de la République auf Reda, einen Mann algerischer Herkunft. Sie kommen ins Gespräch, beginnen zu flirten, und wenig später nimmt Édouard Reda mit zu sich in seine Einzimmerwohnung. Die beiden verbringen die Nacht miteinander, Reda erzählt von seiner Kindheit und dem Vater, der aus Algerien nach Frankreich geflohen ist.
Die Stimmung ist ausgelassen, sie lachen, tauschen Zärtlichkeiten aus und haben Sex. Doch als Édouard bei ihrer Verabschiedung wenige Stunden später entdeckt, dass sein Smartphone verschwunden ist, und Reda plötzlich einen Revolver hervorholt, schlägt die Situation jäh um in Bedrohung, Gewalt und Vergewaltigung.
Am nächsten Morgen begibt sich Édouard in polizeiliche und medizinische Obhut. In seiner Ratlosigkeit, wie er mit seinem Trauma umgehen soll, flieht er in die nordfranzösische Provinz zu seiner Schwester Clara und vertraut ihr die Geschichte an. Die Stimmen und Reaktionen seines Umfeldes, der Polizei und der behandelnden Mediziner auf den dramatischen Vorfall enthüllen einen gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus, Homophobie und intransparente Machtstrukturen.
„Wer hat die Deutungsmacht über die Geschehnisse, wer hat die Hoheit über die Narration – das ist es, was Ostermeier an diesem Stoff und an der Erzählweise des Buchs so brennend interessiert.“ – Deutschlandfunk Kultur, Barbara Behrendt
BESETZUNG
Inszenierung Thomas Ostermeier
Nach dem Roman Histoire de la violence von Édouard Louis
Mitarbeit Regie David Stöhr
Bühne & Kostüme Nina Wetzel
Musik Nils Ostendorf
Video Sébastien Dupouey
Dramaturgie Florian Borchmeyer
Création lumière Michael Wetzel
Mitarbeit Choreografie Johanna Lemke
Mit Christoph Gawenda, Laurenz Laufenberg, Renato Schuch, Alina Stiegler
Musiker Thomas Witte
PRAKTISCHE INFORMATIONEN
- Dauer: 2 Std.
- In deutscher Sprache
- Im Théâtre National Wallonie-Bruxelles:
- Mit frz. Übertiteln
- Am 23. Januar 2020: Midi de la poésie mit Édouard Louis um 12 Uhr 40
- Am 26. Januar 2020: Kids Brunch ab 12 Uhr
- Im Théâtres de la Ville de Luxembourg: Einführung 30 Min. vor Vorstellungsbeginn (in deutscher Sprache)
- Weitere Informationen auf folgenden Webseiten:
- Théâtre National Wallonie-Bruxelles: www.theatrenational.be
- Les Théâtres de la Ville de Luxembourg: www.theatres.lu
Fotos: Arno Declair

































