Die Mutation der Marionetten
Die Augsburger Puppenkiste gibt es immer noch, jedoch haben ihre Nachfahren einen spektakulären Weg eingeschlagen. Um sich davon zu überzeugen, reicht es an der 19. Ausgabe dieses berühmten Festivals teilzunehmen und sich von Marionettenspielern aus aller Herren Länder einfangen zu lassen.
Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass Charleville-Mézières für die Marionettenkunst wie Avignon für das Theater ist. Alle zwei Jahre findet sich die Crème de la Crème weltweiter Marionettenspieler in der Hauptstadt der Ardennes für ein umfassendes und neun Tage anhaltendes Spektakel zusammen. Von 10 bis 23Uhr und ohne Pause, werden in über 40 Austragungsstätten und in den Straßen Veranstaltungen vorgeführt.
An die hundert Kompanien, aus 25 Ländern, finden sich allein im Programm des IN wieder, in welchem dieses Jahr das Augenmerk auf Finnland und seiner 100-jährigen Unabhängigkeitsfeier liegt. Mehr als 400 Veranstaltungen (ohne das Programm des OFF zu zählen) und 15 Kreationen erwarten über 170.000 Zuschauer, um ihnen zu zeigen, dass „diese Kunst brodelt und die Vorstellungskraft, ohne Ausschluss, mit jedermann geteilt wird“, so die Festivalleiterin Anne-Françoise Cabanis.
Durch das Hinzufügen von Objekten, Klängen und Video befindet sich die Marionettenkunst heutzutage an der Schwelle des Theaters, Tanzes, der Musik und der bildenden Kunst. Und das zieht sich auch wie ein roter Faden durch die diesjährige Festivalausgabe, so zum Beispiel mit der Präsentation zweier Experten des Objekttheaters: der Belgierin Agnès Limbos, Leiterin der Compagnie Gare Centrale (Brüssel) und des Franzosen Renaud Herbin, Direktor des TJP CDN d’Alsace (Straßburg).
Zu unserer größten Freude können wir also sagen, dass der Vorhang für die Marionetten noch nicht gefallen ist. (C.I.)
Weitere Informationen
- Die Homepage der Compagnie Gare Centrale
- Die Seite des TJP CDN Alsace Strasbourg
- Interview mit Renaud Herbin, Direktor des TJP CDN d’Alsace [FR]
- Die Homepage von Lez’Arts Vers
- Interview mit Agnès Limbos und Thierry Hellin
- Terres Invisibles (Invisible Land)
La sélection Szenik :
-
Fil Rouge - Agnès Limbos
Vom 16 bis 23 September 2017, Verschiedene Veranstaltungsorte Pionierin des Objekttheaters, Agnès Limbos gehört zu den Künstlern des Fil Rouge (roter Faden) und ist der Stargast des Festivals. So stellt sie die Ausstellung Sans crier gare vor, nimmt an einer Konferenz zum Objekttheater teil und präsentiert mehrere Stücke, zum Beispiel ihre neue Kreation De l'importance du sacrifice humain au XXIe siècle ein burleskes Duo mit dem Schauspieler Thierry Hellin. Eine Information für Eltern: In Baby Macbeth, zeigt sie eine Shakespeare-Interpretation für… Säuglinge. Foto: Alice Piemme
-
Fil Rouge - Renaud Herbin
Vom 16 bis 21 September 2017, Verschiedene Veranstaltungsorte Für Renaud Herbin, den anderen Ehrengast, ist es eine Reise zurück zum Ursprung, da er in der ESNAM, Marionettenschule Charleville-Mézières, gelernt hat. Seine vier präsentierten Kreationen geben einen Einblick in die Klugheit und Diversität des Programms des Straßburger TJP- CDN d'Alsace Strasbourg, welches sich um das Konzept Körper-Objekt-Bild dreht. So können Sie zum Beispiel La Vie des Formes (er ist Koautor und spielt mit Celia Houdart) mit einer Marionette menschlicher Größe, beiwohnen. Sowie die Kreation von Open the owl mit dem Puppentheater von Ljubljana. Foto: Benoit Schupp
-
Terres Invisibles von Livsmedlet
Am 21 (20h), 22 (20h), 23 (17h) September 2017, im Rathaus Die Feier zur hundertjährigen Unabhängigkeit war es Finnland wert, sich auf das Marionettentheater zu fokussieren. Die acht programmierten Veranstaltungen geben einen verblüffenden Einblick in das Bühnengeschehen des nördlichen Landes. Die meisten von ihnen werden zum ersten Mal in Frankreich aufgeführt. Wie zum Beispiel die bemerkenswerte Kreation Terres Invisibles (Invisible land) des Theaters Livsmedlet: Es beginnt mit einer Bomben-und Maschinenpistolengeräuschkulisse und endet mit der Migration winziger Figuren und einer Menge kleiner Objekte auf den Körpern der Interpreten. Foto : Pernilla Lindgren
-
Lez'arts Vers... und Fred Martin
Am 22,23 und 24 September 2017 auf dem Place Ducale L’Odyssée von Lez'arts Vers und Fred Martin spielt sich auf dem bekannten Place Ducale ab. 500 Gipsmasken ragen aus einem gigantischen Tonkopf heraus und hinterfragen direkt die Einwohner und Zuschauer Charleville-Mézières, die eingeladen sind, sich auf eine Reise ins Herz der Erde zu begeben.































