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Les Particules élémentaires (Elementarteilchen)

M. Houellebecq / J. Gosselin
28. November 2014 | 29 November 2014 | Mulhouse | La Filature

Nouvelle Vague

Mit der Bühnenbearbeitung von Michel Houellebecqs Roman lässt Regisseur Julien Gosselin einen Wind der Freiheit durchs Theater wehen, der Zuschauer und Kritiker gleichermaßen begeistert.

Es war eine der schönen Überraschungen beim Festival von Avignon: endlich mal etwas Neues in der französischen Theaterlandschaft! Bei seiner Inszenierung des Romans von Michel Houellebecq lässt der 27-jährige Julien Gosselin sowohl im Ton als auch in der Form eine Freiheit erkennen, die selten ist in einem oftmals konservativen Milieu, in dem sich die Schauspieler an der Technik aufreiben und in dem sich die Regisseure (und Theaterbetriebe) nicht häufig genug an Texte zeitgenössischer Autoren wagen.
Seine Bühnenbearbeitung der Particules élémentaires (dt. Elementarteilchen) hat etwas Berlinerisches und erinnert an so manche Produktion von René Pollesch oder She She Pop. Das liegt an seiner Art, den Text als Rohmaterial zu begreifen, an der Frontalität der Schauspieler, an der Szenografie, bei der sie permanent im Blickfeld bleiben, am Rhythmus, an der schlichten und wirksamen Inszenierung, am Einsatz von Videos, die die Handlung klug verlegen, an der Live-Musik, die eine wunderbare Dynamik beisteuert, an der Dringlichkeit, der Entschlossenheit und am Enthusiasmus, der das Ganze trägt. An der Wahl des Themas und auch des Textes, der sich unverblümt mit unserer heutigen Gesellschaft auseinandersetzt. In Deutschland wurde der Roman seit seinem Erscheinen schon mehrmals auf die Bühne gebracht (beispielsweise 2013 im Theater Freiburg). In Frankreich hingegen ist es eine Premiere... 
In Elementarteilchen beobachtet Michel Houellebecq die Veränderungen in der Gesellschaft von den 1960er Jahren bis zur Jahrhundertwende am Beispiel zweier Halbbrüder, deren Eltern sie im Stich ließen, um lieber ihre sexuelle Freiheit auszuleben. Ein Text, der komisch und zugleich von tiefer Traurigkeit ist, der zynisch den Untergang libertärer Ideale bekräftigt und den Julien Gosselin in fast vier Stunden in all seinen Facetten erforscht: ein offen orgastisches Erlebnis! (S.D.)

Photo © Simon Gosselin

Schlagwörter : Michel Houellebecq
Bonus

Interview mit Julien Gosselin beim Theaterfestival in Avignon (FR)

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