{"id":16087,"date":"2015-04-17T13:02:55","date_gmt":"2015-04-17T13:02:55","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:8080\/?p=16087"},"modified":"2015-04-17T13:02:55","modified_gmt":"2015-04-17T13:02:55","slug":"is-it-the-real-thing-ein-gesprach-mit-regisseur-und-kurator-boris-nikitin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.szenik.eu\/de\/is-it-the-real-thing-ein-gesprach-mit-regisseur-und-kurator-boris-nikitin-16087","title":{"rendered":"Is It The Real Thing? Ein Gespr\u00e4ch mit Regisseur und Kurator Boris Nikitin"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\">Noch bis Sonntag l&auml;uft das <a href=\"\/de\/Festivals\/It_s_The_Real_Thing-00170\" target=\"_blank\">Basler Theater-Festival It&rsquo;s The Real Thing<\/a>. Boris Nikitin, der Initiator dieser Dokumentartage, hat sich mit seinen Arbeiten ganz dem Raum zwischen Inszenierung und Authentizit&auml;t verschrieben. So lud der 36-j&auml;hrige schon zu einer tats&auml;chlichen Gerichtsverhandlung und inszenierte eine Predigt im Benediktinerkloster Mariastein. Wir haben mit ihm &uuml;ber die zweite Ausgabe seines Festivals und &uuml;ber das Dokumentarische im Theater gesprochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #501834;\">Herr Nikitin, Sie haben in Gie&szlig;en angewandte Theaterwissenschaften studiert, wie auch andere bekannte Vertreter des Dokumentartheaters, zum Beispiel Rimini Protokoll. Kann man Gie&szlig;en als eine Art Hochburg des Dokumentartheaters bezeichnen?<br \/><\/span><\/strong>Vor allem w&uuml;rde man das Institut f&uuml;r angewandte Theaterwissenschaften als eine Hochburg des postdramatischen Theaters bezeichnen. Normalerweise machen die Regie-Studenten zusammen mit den Schauspiel-Studenten Theater. Doch in Gie&szlig;en gibt es keine separate Schauspielausbildung. Dementsprechend musste man sich &uuml;berlegen: Wie macht man Theater ohne Schauspieler, ohne dass es gleich zu Laientheater wird? Aus dieser Frage heraus sind die neuen Theaterformen entstanden, unter anderem auch das dokumentarische Theater.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #501834;\">Ihr Studium hat Sie also zum Dokumentartheater gef&uuml;hrt?<br \/><\/span><\/strong>Ja, bestimmt. Es wird allerdings f&auml;lschlicherweise angenommen, dass ich ein Repr&auml;sentant des dokumentarischen Theaters bin. Doch meine Sicht auf das Dokumentarische ist sehr kritisch. Deswegen habe ich angefangen, mich damit zu besch&auml;ftigen. Aber meine St&uuml;cke drehen sich viel eher um die Illusion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/older\/theatre\/150415_theatre_magnificat_kaserne_c_krzysiek_krzysztofiak.jpg\" alt=\"Die Chor-Arbeit Magnificat von Mart&agrave; Gornicka\" width=\"400\" height=\"267\" \/><br \/><span style=\"font-size: x-small;\">Die Chor-Arbeit <em>Magnificat<\/em> von Marta G<span>&oacute;<\/span>rnicka.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #501834;\">Ihre Arbeiten regen durch ihr st&auml;ndiges Schwanken zwischen Fiktion und Realit&auml;t automatisch zum Nachdenken und zu kritischer Reflexion an. Ist das Ihre Intention?<br \/><\/span><\/strong>Das Dokumentarische tritt oftmals in die Falle, dass es wie ein Mediendiskurs reproduziert wird. Ich finde aber wichtig, aufzuweisen, &ndash; was Zeitungen und anderen Medien ja nicht st&auml;ndig m&ouml;glich ist &ndash; dass es sich auch hier um eine Darstellung der Wirklichkeit handelt, nicht um die Wirklichkeit selbst. Diese Darstellung wurde von jemandem verfasst und bearbeitet, sie ist eine Interpretation, eine Konstruktion. Die Art und Weise, wie wir unsere Wirklichkeit &uuml;ber &Ouml;ffentlichkeit bilden, entsteht in erster Linie &uuml;ber fremde Darstellungen, &uuml;ber Interpretationen. Was die Wirklichkeit eigentlich ist, ist nochmal eine ganz andere Frage. Mein Anliegen ist es, diesen Zwiespalt, diese Frage aufzuweisen und damit zu spielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #501834;\">Zu den Basler Dokumentartagen dieses Jahr: Wie sind Sie auf das Thema &bdquo;&Ouml;ffentlichkeit&ldquo; gekommen?<br \/><\/span><\/strong>Das ist aus dem letzten Festival heraus entstanden. Dort habe ich pl&ouml;tzlich festgestellt, dass es in dem Dokumentarischen eine &bdquo;Coming-Out-Struktur&ldquo; gibt. Im Theater ist das Dokumentarische meist damit verbunden, dass Leute auf der B&uuml;hne stehen und ihre eigenen biographischen Erfahrungen, ihren K&ouml;rper zum Gegenstand machen. Es ist wie ein Coming-Out, Leute ver&ouml;ffentlichen sich vor einer Gemeinschaft. Insofern ist es eine Form von &Ouml;ffentlichkeitsarbeit f&uuml;r eine bestimmte Agenda. Das kann zum Beispiel eine feministische oder eine Queer-Agenda sein. Wie wird &Ouml;ffentlichkeit gebildet? &Uuml;ber das Erz&auml;hlen von Wirklichkeit, &uuml;ber das Sprechen, &uuml;ber das Darstellen. Das bedeutet, jeder kann seine eigene Stimme &ndash; um es auf kitschige Weise zu sagen &ndash; einbringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #501834;\">Ist dies auch der Grund daf&uuml;r, dass <a href=\"\/de\/Theater\/Magnificat-Combat-Girls-2245\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #501834;\"><em>Magnificat<\/em><\/span><\/a> das Festival er&ouml;ffnet?<br \/><\/span><\/strong>Genau. Der Chor repr&auml;sentiert im Theater ja schon seit der Antike die &Ouml;ffentlichkeit. Diese Chorarbeit &ndash; unter doch auch vielen Chorarbeiten, die in letzter Zeit in verschiedenen Theatern stattgefunden haben &ndash; ist eine, die nicht zuletzt durch den feministischen Blick herausragt. Das fand ich interessant.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong style=\"color: #501834; line-height: 1.2;\">K&ouml;nnen Sie uns ein Lieblingswerk der diesj&auml;hrigen Dokumentartage nennen?<br \/><\/strong>Ich finde das Konzept des <a href=\"https:\/\/brokenships.com\/)\" target=\"_blank\">Museums of Broken Relationships<\/a>&nbsp;toll. Ich bin aber auch ein gro&szlig;er Fan von <a href=\"http:\/\/www.itstherealthing.ch\/theater-tanz-und-filme\/rabih-mroue\/\" target=\"_blank\">Rabih Mrou&eacute;<\/a>. Als ich die <a href=\"http:\/\/www.itstherealthing.ch\/theater-tanz-und-filme\/samuel-koch-rober-lang\/\" target=\"_blank\">Samuel Koch Geschichte<\/a>&nbsp;letzten Sommer, w&auml;hrend ich in der Jury des Theatertreffens der deutschsprachigen Theaterschulen sa&szlig;, gesehen habe war ich begeistert von diesen zwei jungen Schauspielern, von denen der eine im Rollstuhl sitzt. Ich kann jedoch nicht sagen, dass ich einen Liebling habe. Die Arbeiten stechen auf unterschiedliche Arten hervor und haben auf unterschiedliche Art und Weise eine Pr&auml;gnanz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/older\/magazine\/museum_of_broken_relationships_3.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"263\" \/><br \/><span style=\"font-size: x-small;\">Ein als Wurfgeschoss missbrauchter Gartenzwerg aus der Sammlung des Museums of Broken Relationships.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\"><em><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"\/wp-content\/uploads\/older\/magazine\/samuel_koch_robert_lang__bericht_fu.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"225\" \/><br \/><\/em>Der querschnittsgel&auml;hmte Samuel Koch zusammen mit Robert Lang in&nbsp;<em>Ein Bericht f&uuml;r die Akademie.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #501834;\"><strong>Ist das Festival in Zukunft im Zwei-Jahres-Takt geplant? Haben Sie sich schon Gedanken &uuml;ber das weitere Vorgehen gemacht?<br \/><\/strong><\/span>Nein, ist es nicht. Es war bei der ersten Ausgabe so, dass ich w&auml;hrend des Festivals, bemerkt habe, wie sehr es mit der &Ouml;ffentlichkeitsbildung zusammenh&auml;ngt. So hat sich erst die neue Fragestellung ergeben. Es kommt auf das diesj&auml;hrige Festival an, ob sich nochmal eine interessante Fragestellung ergibt. Ansonsten w&uuml;rde ich keine weitere Ausgabe auf die Beine stellen wollen. Es macht nur Sinn, wenn man mit Pr&auml;gnanz und Wucht reingehen kann. Es einfach nur zu institutionalisieren, um ein weiteres Festival zu haben, das im Takt l&auml;uft, w&auml;re schade.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">Das Interview f&uuml;hrte Sarah Obertreis.<\/span><\/p>\n<h2 class=\"featured-subtitle\">Das k\u00f6nnte Ihnen auch gefallen<\/h2>\n<p><strong style=\"line-height: 1.2;\"><a href=\"\/de\/Festivals\/It_s_The_Real_Thing-00170\" target=\"_blank\">Unsere Ank&uuml;ndigung der Basler Dokumentartage 2015<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<strong style=\"line-height: 1.2;\"><a href=\"\/de\/Theater\/Magnificat-Combat-Girls-2245\" target=\"_blank\">Der Artikel &uuml;ber&nbsp;<\/a><\/strong><strong><a href=\"\/de\/Theater\/Magnificat-Combat-Girls-2245\" target=\"_blank\"><em>Magnificat&nbsp;<\/em><\/a><\/strong><strong><a href=\"\/de\/Theater\/Magnificat-Combat-Girls-2245\" target=\"_blank\">von Marta G&oacute;rnicka<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"p1\">Noch bis Sonntag l&auml;uft das <a href=\"\/de\/Festivals\/It_s_The_Real_Thing-00170\" target=\"_blank\">Basler Theater-Festival It&rsquo;s The Real Thing<\/a>. 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