Zwei große Tschaikowsky-Klassiker stehen dieses Jahr im Mittelpunkt des Festivals „The World of John Neumeier“. Seit 2021 kuratiert der legendäre Hamburger Choreograf und Ballettdirektor die herbstlichen Tanzfestspiele in Baden-Baden und prägt den Oktober im Festspielhaus. Rund um „Illusionen – wie Schwanensee“ und „Der Nussknacker“ gibt es vom 1. bis 11. Oktober 2026 wieder ein reiches Rahmenprogramm mit Workshops, Gesprächen und Vorträgen.
Ein Märchenkönig träumt
Mit „Illusionen – wie Schwanensee“ gastiert am 2., 3. und 4. Oktober erneut das Bayerische Staatsballett in Baden-Baden, dort wird Neumeiers Adaption des russischen Klassikers seit 2011 getanzt. Aus gutem Grunde, denn der Choreograf verlegt das Geschehen an den Hof Ludwig II. von Bayern, zeigt den historischen König als Träumer inmitten all seiner Märchenpracht. Zwischen Realität und Phantasie sehnt sich der Held nach seiner Schwanenprinzessin, denn Neumeier behält all die wohlbekannten Szenen der klassischen St. Petersburger Choreografie, wie den Tanz der weißen Schwäne am See und auch den verführerischen schwarzen Schwan, bei. Einzig der böse Zauberer wird bei John Neumeier zum Tröster und zum Todesengel des einsamen Königs.
Jürgen Roses herrliche, aufwendige Ausstattung wurde von den Schlössern des bayerischen Märchenkönigs inspiriert. Die opulente und melodienreiche Tschaikowsky-Musik spielt live die Philharmonie Reutlingen, dirigiert von Gavin Sutherland.
Marie träumt vom Nussknacker
Der „Nussknacker“ war der erste der großen Tschaikowsky-Klassiker, den John Neumeier bereits im Jahr 1971 adaptierte. Seitdem begeistert das Weihnachtsstück die Zuschauer, das Hamburg Ballett bringt ihn nun ins Festspielhaus. Wie viele von Neumeiers Werken lässt er auch diese Geschichte in der Ballettwelt spielen: Die junge Marie bekommt nicht nur einen Nussknacker, sondern auch Spitzenschuhe unter den Baum gelegt und wird auf dem Weg zum Erwachsenwerden von ihrem exzentrischen Paten Drosselmeier in die Welt des Theaters eingeführt. Neumeier zitiert die essenziellen Tanzpassagen aus dem alten Klassiker und inszeniert sie als liebevolle Hommage an den berühmten St. Petersburger Ballettmeister Marius Petipa, einen der wichtigsten Begründer des klassischen Balletts. Auch hier hat Jürgen Rose die farbenprächtige Ausstattung entworfen. Die Philharmonie Baden-Baden interpretiert live Tschaikowskys symphonische, revolutionäre Ballettmusik.
„The World of John Neumeier“ komplettieren neben den beiden klassischen Balletten vielfältige weitere Veranstaltungen, vor allem die von Fans geliebte Ballett-Werkstatt, wo der Meister zum Auftakt am 1. Oktober im Festspielhaus persönlich die Werke des Festivals und seine Künstler erläutert und diese in Auszügen tänzerisch vorstellt.
Im Kurhaus Baden-Baden vereint das Bundesjugendballett am 6. und 7. Oktober in seinem neuen Programm „The Pursuit of Harmony“ Werke von John Neumeier, Raymond Hilbert und Sybil Shearer, der hochverehrten amerikanischen Lehrerin Neumeiers. Auch nach seinem Abschied vom Hamburg Ballett ist John Neumeier Intendant des Bundesjugendballetts, das auf seine Initiative gegründet wurde. Er versammelt darin junge Tänzerinnen und Tänzer, die sich mit Engagement und stupendem Können dem zeitgenössischen Tanz widmen. Wie bei den vergangenen Neumeier-Festivals stellt die Ballettschule des Hamburg Ballett ihre jüngsten Absolventen im Kongresshaus Baden-Baden vor. (Diese Veranstaltung ist bereits ausverkauft.)
Als Gastcompagnie hat John Neumeier das brandneue Ensemble WINNDance eingeladen, das gerade Ende Juli sein internationales Debüt bei der Biennale in Venedig gab. Der Abend „Scirocco“ vereint die Choreografien „Bridge of Sighs“, John Neumeiers Hommage an die Seufzerbrücke in Venedig, sowie „Tod in Venedig“ nach Thomas Mann, choreografiert von den Tanzschöpfern Imre und Marne van Opstal, Omar Román De Jesús, Rainer Behr und Javier de Frutos. Bei WINNDance zeigen Tänzer:innen über 40 Jahre, eine erlesene Auswahl hochberühmter Solisten aus aller Welt, ihre subtile Ausdruckskraft. WINNDance gastiert am 3. und 4. Oktober im Theater Baden-Baden. (Die Vorstellungen sind bereits ausverkauft.)
Zum fröhlichen gemeinsamen Tanzen lädt das „Tanzatelier“ am Samstag, 3. Oktober, 12 Uhr, in die Trinkhalle. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – im Mittelpunkt stehen Freude, Leichtigkeit und die Lust an Bewegung. Tanzbegeisterte können einfach ohne Anmeldung vorbeikommen und kostenfrei teilnehmen.
Für Kinder gibt es im Festspielhaus spezielle Führungen auf den Spuren der Ballettmärchen und interessierte Besucher können hinter den Kulissen den „Traum vom Tutu“ entdecken. Mit Kiran West gewährt der langjährige Fotograf des Hamburg Ballett in einem Workshop Einblick in seine Arbeit. Die Tanzjournalistin Dorion Weickmann lädt zum Streifzug durch die Ballett-geschichte, und im Malersaal des Maison Messmer spricht Festivalleiter John Neumeier mit ihr über die Kunst des Balletts, die ihn ein Leben lang bis heute fasziniert. (Das Rahmenprogramm ist bereits weitgehend ausverkauft.)
Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

