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Le Moral des ménages

É. Reinhardt / S. Cléau
07 bis 10 Oktober 2014 | 4 Auff. | Mulhouse | La Filature

Middle class

Die Bühnenbearbeitung des Romans Le Moral des ménages ist Stéphanie Cléaus erste Inszenierung: Die Geschichte eines Möchtegern-Sängers in den Vierzigern, der vor seiner tristen Vergangenheit flieht. 

Dem grauen Alltag entfliehen; der gehorsamen, an den Herd gefesselten Ehefrau  und der Vaterfigur, dessen berufliche Karriere auf dem wenig erfreulichen Stadium eines Vertriebsmitarbeiters stehen geblieben ist. Manuel Carsen grenzt sich von seinem sozialen Umfeld ab, indem er seine eigene Geschichte neu schreibt und von einem sprühenden Leben als Chansonsänger träumt. Aber auf den Regalen stapeln sich die Platten, während ihn, der sich von seinen familiären Fesseln, die ihn erstickten, loszureißen versuchte, Niedergeschlagenheit übermannt.
In seinem Roman 2003 erschienen Roman Le Moral des ménages lässt Eric Reinhardt diesen alles verachtenden und verachtenswerten Anti-Helden Gestalt annehmen, dessen bissig-scharfe Worte, die er während seiner langen Monologe von sich gibt, aber zuweilen für einen wahren Lesegenuss sorgen. Eine doppelte Herausforderung also für die erste Inszenierung von Stéphanie Cléau, der es gelingt, eine eigenartige Sprache ebenso wie eine stereotypisiert dargestellte Figur fürs Theater zu bearbeiten. 
Die Regisseurin hat den genialen Einfall gehabt, den Zeichner Blutch hinzu zu ziehen, um der Psyche des gescheiterten Musikers durch die Projektion von Schwarzweißskizzen eine physische Entsprechung zu verleihen. Auf der Bühne spielt Mathieu Amalric einen finsteren und rohen Manuel Carsen, heimgesucht von all den Frauengestalten, die – allesamt von der Schauspielerin Anne-Laure Tondu verkörpert, ihn quälen.  Die Frau – in der Gestalt der Geliebten, Mutter und Tochter – regt zu einem Nachdenken über die Eltern-Kind-Beziehung an, über das familiäre Vermächtnis und die Wahrnehmung des anderen. (C.T.)

Foto © Marc Domage

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